Dienstag, 16. November 2021
Die gegenwärtige Politik in Kurzform
Mittwoch, 7. April 2021
Die Lösung liegt in unseren Händen
Wir leben in einer herausfordernden Zeit.
Ganz gleich, was wir glauben, hoffen oder fürchten –
eines ist gewiss: leicht ist es für niemanden.
Die Flut an Informationen, Meinungen, Warnungen und Urteilen ist laut.
So laut, dass wir manchmal kaum noch wissen, was wahr ist –
und ob es überhaupt noch etwas gibt, das wirklich verlässlich ist.
Wahrheit scheint zu etwas geworden zu sein, das jeder für sich beansprucht.
Und doch fühlt sich vieles hohl an.
Doch gerade inmitten all dessen liegt ein stilles Geschenk:
die Einladung, in die Eigenverantwortung zu gehen.
Nicht zu warten, bis jemand uns erklärt, wie es weitergeht.
Nicht zu hoffen, dass andere für uns entscheiden, was richtig ist.
Sondern still zu werden.
Und uns zu erinnern, wer wir sind.
Denn wir sind nicht machtlos.
Wir sind nicht bloß das Produkt unserer Umstände.
Wir sind schöpferische Wesen.
Unsere Gedanken, unsere Vorstellungen, unser innerer Zustand –
sie formen die Welt, die wir erleben.
Nicht als magischer Wunsch.
Sondern als tiefes Gesetz des Seins.
Angstvolle Gedanken schaffen eine Welt, die Angst spiegelt.
Gedanken der Ohnmacht ziehen Erfahrungen der Ohnmacht an.
Aber wir können wählen.
Jeden Tag. Jeden Moment neu.
Wir können uns eine friedliche, freie, lebensbejahende Welt vorstellen –
und sie in uns entstehen lassen.
Nicht, indem wir das Leid ignorieren.
Sondern indem wir erinnern,
dass unsere innere Haltung die Richtung vorgibt.
Der Weg dorthin ist kein Kampf.
Weder gegen andere, noch gegen uns selbst.
Der Weg ist Erinnerung:
An unsere Würde.
An unsere Freiheit.
An das tiefe Wissen:
Ich bin Schöpfer meines Lebens.
Niemand kann uns die Verantwortung für unser Bewusstsein abnehmen.
Niemand kann für uns im Frieden sein.
Niemand kann für uns das Licht wählen, wenn wir im Schatten bleiben wollen.
Die Lösung kommt nicht von außen.
Sie ist auch kein Geschenk, das uns überreicht wird.
Die Lösung sind wir.
In unserem Denken.
In unserem Fühlen.
In unserem Handeln.
In unserem Sein.
Das, was wir sind, wird sichtbar in der Welt.
Und darum ist jetzt der Moment, uns zu fragen:
Was strahle ich aus?
Was nähre ich mit meiner Aufmerksamkeit?
Welcher Welt gebe ich Raum in mir?
Denn genau daraus wird sie geboren:
die Welt, die wir uns wünschen.
Dienstag, 2. März 2021
Unser Spiegelbild - die große Herausforderung
„Hör auf zu versuchen, die Welt zu verändern,
da sie nur der Spiegel ist.
Der Versuch des Menschen, die Welt mit Gewalt zu verändern,
ist so fruchtlos wie das Zerbrechen eines Spiegels in der Hoffnung,
sein Gesicht zu verändern.
Verlasse den Spiegel und ändere dein Gesicht.
Lass die Welt in Ruhe
und ändere deine Vorstellung von dir selbst.“
— Neville Goddard
Oft scheint es uns einfacher, die Welt zu
verändern, als uns selbst.
Und nicht selten glauben wir, sie hätte es nötiger als wir.
Doch die Welt zeigt uns nicht, was wir uns
wünschen.
Sie zeigt uns, wer wir sind.
Sie wirft uns – mit stiller Genauigkeit – unser
eigenes Spiegelbild zurück:
unsere Überzeugungen, unsere inneren Haltungen, unsere Sicht auf das Leben.
Was wir im Außen erkennen, ist immer nur ein Echo unseres Inneren.
Und oft gefällt uns nicht, was wir sehen.
Wir versuchen, das Bild im Spiegel zu verändern,
ohne unser eigenes Gesicht zu wandeln.
Doch der Spiegel kann nichts anderes zeigen als
das, was vor ihm steht.
Wenn wir im Außen etwas erwarten, das wir im Inneren nicht sind,
wird unsere Suche leer bleiben.
Der einzige Weg, das Spiegelbild zu wandeln,
ist, uns selbst zu betrachten – mit Offenheit, mit Güte –
und uns zu fragen:
Was will ich wirklich in die Welt bringen?
Was bin ich bereit, in mir zu verändern?
Wir können uns entscheiden:
für eine liebevolle, gütige, mitfühlende Haltung –
uns selbst gegenüber und allem, was lebt.
Wir können uns entscheiden,
den Frieden in unserem Herzen wachsen zu lassen.
Und eines Tages, ganz leise,
beginnt uns der Spiegel zuzulächeln.
Samstag, 27. Februar 2021
Wie lenken wir unser Leben?
Heute teile ich mit euch ein paar Gedanken über die Macht der inneren Überzeugung, inspiriert durch Neville Goddard, Dr. Joe Dispenza – und vielleicht ein bisschen Jesus. Ein liebevoller Weckruf, dein „Irgendwann“ in ein kraftvolles Jetzt zu verwandeln.
Wir lenken unser Leben durch unsere Überzeugungen.
Nicht durch das, was wir hoffen.
Nicht durch das, was wir glauben.
Nicht einmal durch das, was wir wissen – oder zu wissen glauben.
Wir lenken
unser Leben allein durch das, wovon wir wirklich überzeugt sind.
Denn genau das – und nur das – manifestiert sich in unserer Realität.
Schon Jesus
sagte:
„Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt,
so werdet ihr zu diesem Berge sagen: Hebe dich auf und wirf dich ins Meer – und
es wird geschehen.“
Wenn wir also
einem Berg befehlen, sich ins Meer zu stürzen,
und er steht am nächsten Morgen noch da,
dann denken wir vielleicht:
„Ehrlich gesagt, ich hab’s eh gewusst.“
Und genau das
ist der Punkt:
Wir haben diese Realität nie wirklich geglaubt.
Vielleicht gehofft, vielleicht erträumt –
aber nicht gefühlt.
Wir haben aus
dem Verstand heraus gehandelt,
eine Realität gelenkt, an deren Verwirklichung wir keinen Augenblick lang
wirklich geglaubt haben.
So sieht für
viele von uns das bewusste Erschaffen aus:
Wir wünschen – wir hoffen – wir glauben halb. Oder gar nicht.
Und wir verstecken uns hinter einem einzigen schwammigen Wort:
„Irgendwann.“
Irgendwann
werde ich glücklich sein.
Irgendwann werde ich gesund sein.
Irgendwann werde ich finanziell frei sein.
Irgendwann wird der richtige Mensch in mein Leben treten.
Doch solange
wir unsere Kraft ins „Irgendwann“ verlagern,
halten wir sie fern vom einzigen Moment,
in dem Veränderung geschehen kann:
Jetzt.
Neville Goddard
sagte:
„Bewusste Schöpfung beginnt im Gefühl des erfüllten Wunsches.“
Fühle, dass es schon da ist.
Freue dich darüber.
Sei dankbar – jetzt.
Dr. Joe
Dispenza nennt Dankbarkeit den „ultimativen Zustand des Empfangens“.
Also:
Bleiben wir in der Freude.
In der Dankbarkeit.
In der Gewissheit, dass alles, was wir sind, bereits genug ist.
Beginnen wir jeden Tag mit einem Jubelschrei und dem Gefühl der Unbesiegbarkeit. Und jeder einzelne unserer Berge wird sich vor unseren Augen ins Meer stürzen.
Freitag, 5. Februar 2021
Meta Morfoss
Heute teile ich mit euch eine wundervolle Geschichte von Peter Hacks.
Meta Morfoss
Meta Morfoss war ein
kleines Mädchen, welches die Angewohnheit hatte, sich dauernd zu
verwandeln. Manchmal verwandelte sie sich in eine Muschel und lag ganz
still im Algenwald und träumte im warmen Unterwasser vor sich hin. Wenn dann
die Jungens im Teich tauchten und versuchten, die Muschel an die Oberfläche zu
holen, klappte sie ihre Schalen zusammen und sagte ein bisschen furchtsam:
»Aber ich bin doch die Meta.«
Oder sie verwandelte
sich in einen Engel und flog mit langsamen Flügelschlägen durch den Abend. Dann
konnte es vorkommen, dass sie einem Flugzeug begegnete und der Kapitän sehr
erstaunt zu sich sagte: »Merkwürdig, hier fliegt ein Engel.« Und er starrte so
angestrengt zum Fenster hinaus, dass das Flugzeug zu schwanken anfing. Und
Meta rief ihm tröstend hinterher: »Aber ich bin doch die Meta!«
Oder sie verwandelte
sich in eine Dampflokomotive und wog 100 Tonnen und raste mit ungeheurem Getöse
die Schienen entlang. Es ist doch aber so, dass die Eisenbahnschienen für
die ordentlichen Züge bestimmt sind, die mit Gütern oder Reisenden unterwegs
sind und die Eisenbahnverwaltung hat schließlich einen genauen Fahrplan
ausgerechnet, damit die Züge niemals zusammenstoßen. Die Zugführer erschraken
daher nicht wenig, wenn sie auf dem eigenen Geleise eine Lokomotive auf sich zudampfen
sahen, die nicht im Fahrplan stand und auch vom Bahnwärter nicht gemeldet war.
Natürlich verwandelte sich Meta immer rechtzeitig in das kleine Mädchen zurück,
das sie wirklich war, und sie sprang vom Bahndamm und erläuterte mit einem
allerhöflichsten Knicks: »Aber ich bin doch die Meta!«
Aber was nützte das
denn noch? Wenn es auch mit knapper Not kein Unglück gab, die Zugführer hatten
doch einen bösen Schreck bekommen. Man muss also ehrlich zugeben, dass Meta
Morfoss den Menschen eine Menge Schwierigkeiten bereitete. Sie meinte es gewiss
nicht böse. Nur verwandeln sich eben die meisten Leute sehr selten in eine
andere Sache, und, wer das schon unbedingt tun muss, sollte doch gelegentlich
darüber nachdenken, ob er nicht stört.
Meta lebte zusammen mit
ihren Eltern und einer Tante, die einen Schnurrbart hatte und deswegen Herr
Maffrodit hieß, in einem kleinen Haus am Rande des Stadtparks.
Metas Eltern hatten
sich an die seltsame Eigenschaft ihrer Tochter schon einigermaßen gewöhnt -
seit jenem ersten Mal, wo sie, anstatt eines Säuglings, eine Wärmflasche im
Kinderbettchen gefunden hatten, die mit einer glucksenden Gummistimme erklärt
hatte: »Binna Meta« (Denn, wie gesagt, Meta war da noch sehr klein gewesen und
konnte sich nicht richtiger ausdrücken.) So wunderten sich die Eltern über gar
nichts mehr. Ob nun mitten im Wohnzimmer ein Platzregen niederging, oder ob am
Tischbein eine Orchidee wuchs, die, in fremdartigen Farben schillernd, ab und
zu eine Fliege verspeiste, oder ob auf Herrn Maffrodits Nähtisch eine wollene
Socke lag, die vier Meter lang war und nicht einmal mehr einer Giraffe gepasst
hätte: Frau und Herr Morfoss wussten längst, dass das die Meta war, und
achteten überhaupt nicht darauf.
Übrigens kann es auch
ein Fehler sein, wenn man alles schon vorher weiß und auf nichts mehr achtet.
Eines Abends zum Beispiel
ereignete sich eine ganz ungewöhnliche Geschichte.
Es gab nämlich in der
Stadt einen besonders schlecht erzogenen jungen Mann, der sich
abscheulicherweise in mondlosen Nächten ein schwarzes Halstuch vors Gesicht
band, sich einen Revolver (mit dem er zum Glück nicht schießen konnte) in die
Tasche steckte und in allein stehende Häuser einbrach, um dort Matchbox-Autos
und Brillantringe zu rauben. An dem Abend, von dem wir reden, hatte er beschlossen,
bei der Familie Morfoss einzubrechen.
Herr Morfoss saß eben
vor dem Fernseher, Frau Morfoss las in der Zeitung, und Herr Maffrodit, die
Tante, strickte eine Socke, die genauso lang war, wie es sich für eine Socke
gehört.
Da kam der Einbrecher durchs
Fenster gestiegen und sagte: »Das ist ein Überfall. Keiner bewegt sich!« Die
Familie glaubte natürlich, dass der Einbrecher Meta sei. Wo gibt es denn so
etwas noch, Einbrecher! Herr Morfoss ging in aller Seelenruhe zum Fernsehgerät
und stellte eine andere Sendung ein, die leider ebenso langweilig war wie die
bisherige; Frau Morfoss hob die Augen gar nicht von ihrer Zeitung, und Herr
Maffrodit klapperte weiter mit ihren Nadeln.
Der Einbrecher
fuchtelte mit dem Revolver und brüllte: »Hände hoch, sonst wird geschossen!«
Niemand kümmerte sich um ihn. Der Einbrecher wurde fast närrisch vor Zorn. Er
drückte den Revolver Herrn Morfoss in den Bauch und flüsterte heiser: »Das Geld
oder das Leben!«
»Schon gut «, sagte
Herr Morfoss geduldig. »du bist ja die Meta.«
Da erkannte der
Einbrecher, dass sich niemand vor ihm fürchten wollte. Er ging verwirrt weg.
Und er zweifelte an seiner Eignung für diesen Beruf und hängte ihn an den
Nagel, und er ist dann, wie wir in Erfahrung gebracht haben, noch ein sehr
ordentlicher Autoschlosser geworden.
Zu Hause also ging es
Meta so gut oder so schlecht, wie es kleinen Mädchen zu Hause einmal
geht. Aber wie ging es in der Schule? Wir sehen gleich, dass das eine
wichtige Frage ist, und wir wollen sie beantworten, indem wir die Sache von
ihrem Anfang an erzählen.
Der Lehrer, er hieß Herr Dr. Pauli, hatte Meta aufgefordert vorzutragen, was sie über den Himmel wusste. Meta war - das kommt bei kleinen Mädchen gelegentlich vor - in einer schauderhaften Blödellaune. Sie stand auf und äußerte mit todernstem Gesicht den folgenden Unsinn: »Der Himmel ist ein großer, runder, blauer Teller. Der Abend ist eine Schokoladensoße, die, vom Rand her, auf den Teller gekippt wird. Wenn der Teller voll ist, ist Nacht. Am Morgen kommt die Sonne und leckt die Schokolade wieder ab; vermutlich ist sie eine Katze.«
»Was erzählst du uns
da!« sagte Herr Dr. Pauli.
»Doch«, sagte Meta,
»eigentlich bin ich ganz sicher, dass die Sonne eine Katze ist.«
»Sag einmal«, bemerkte
Herr Dr. Pauli trocken, »bist du nicht ein bisschen sehr albern?«
An dieser Stelle des
Gesprächs verwandelte sich Meta in den Professor Albert Einstein.
Der Professor
Einstein, das muss man hier wissen, lebte vor noch gar nicht so langer Zeit und
war ein gütiger alter Herr mit wehenden weißen Haaren. Zugleich war er von
allen Gelehrten vor oder nach ihm derjenige, der über Himmelsdinge am besten
Bescheid wusste.
Meta - oder Professur
Einstein, wie man will - erhob sich sehr würdig, schritt zur Tafel und schrieb
mit Kreide ein paar schwierige Ausdrücke darauf, die niemand verstehen konnte,
nicht einmal der Lehrer.
Hiernach räusperte sie
sich und sprach: »Meine hoch verehrten Damen und Herren! Alle Sterne drehen
sich um alle Sterne. Es gibt große und kleine Sterne, helle und dunkle,
wichtigere und weniger wichtige, aber es ist keiner unter ihnen, auf den es
nicht ankommt. Jeder Stern hat ein bisschen Recht. Und was wir Menschen von den
Sternen lernen können, ist, wie nett sie, obgleich jeder ein bisschen Recht
hat, sich am Ende miteinander geeinigt haben. Ich danke Ihnen für Ihre
Aufmerksamkeit.«
Nachdem sie das gesagt
hatte, ergriff sie eine Geige und spielte eine wunderschöne Melodie.
»Sie sind nicht
Professor Einstein«. sprach Dr. Pauli, der Lehrer.
»Hoppla«, sagte Meta
verdutzt, »woher wissen Sie das?«
»Erstens«, entgegnete
Herr Dr. Pauli »ist Professor Einstein leider schon vor einer Weile verstorben,
und zweitens, was vielleicht noch bedeutsamer ist, hat er bekanntlich überaus
schlecht die Violine gespielt.«
»Nein, nein«, fügte er
hinzu, »wer so gut geigt, ist kein Einstein.«
»Stimmt«, gab Meta zu,
»was das Geigen anlangt, ist mir ein Schuss Oistrach dazwischengekommen.«
»Bleibt also zu klären«, sagte der Lehrer. »wer Sie sind?«
»Aber ich bin doch die
Metal« rief Meta. (Wir haben es schon erwähnt: sie meinte es wirklich nicht
böse.)
»Dann muss ich
allerdings diese Ablenkung vom Gegenstande des Unterrichts in mein Merkbüchlein
eintragen«, sagte Herr Dr. Pauli mit Nachdruck.
Er zog das
Merkbüchlein aus der Brusttasche. Meta aber, die ihr Betragen so sehr
tadelnswert nicht fand, wie sie es wahrscheinlich hätte finden sollen, ärgerte
sich darüber, und sie verwandelte sich ganz flink in Dr. Paulis
Füllfederhalter.
Sie hatte die Absicht,
beim Eintragen einen mächtigen Tintenfleck zu verspritzen. Aber wie erstaunt
war sie, als sie merkte, dass der Lehrer gar nichts in das Buch eintrug.
Er tat zwar so, als
schriebe er den Namen Meta Morfoss, in Wahrheit jedoch malte er die Buchstaben
in die Luft.
Da entdeckte Meta, wie
gut Herr Dr. Pauli es mit ihr meinte. Und seit sich dieser Vorfall so begeben
hatte, unterließ es Meta, sich während der Schulstunden in irgendetwas oder
irgendwen zu verwandeln, so hart es sie auch oft ankam.
Nun lässt sich ja
verstehen, dass Meta ihrer Angewohnheit am heftigsten nachgab, sobald die
Schule aus war. Sie hatte sich fünf oder sechs oder sogar sieben Stunden
lang solche Mühe gegeben, unverwandelt zu bleiben. Im Augenblick, wo sie
sich verwandeln durfte, tat sie es meistens sofort.
Und wenn es ihr
besonders schwer gefallen war, einfach bloß immer die Meta zu sein, verwandelte
sie sich gern in etwas Unangenehmes.
Zum Beispiel fiel ihr
- es muss Ende letzten Sommers gewesen sein - ein, sich in ein Krokodil zu
verwandeln, das auf der Straße sitzt und die Zähne fletscht. Sie sah wirklich
ziemlich fürchterlich aus; denn Krokodile haben sehr lange und gelbe
Zähne. Die Fußgänger drückten sich vorsichtig an den Hauswänden entlang,
und selbst die Autofahrer machten lieber einen Bogen um das Ungeheuer. Da kam
der Müllmann, Herr Karsunke, in seinem Straßenreinigungsfahrzeug des Weges
gefahren. Als er das Krokodil sitzen sah, sprach er die folgenden Worte zu sich
selber: »Hier stelle ich aber eine deutliche Verunreinigung der Fahrbahn fest.«
Und er schwenkte seinen Bagger aus und schaufelte das Krokodil kurzerhand in
den Behälter, dorthin, wo der übrige Müll stak.
Aber weil Meta sich in
ein Krokodil-das-auf-der-Straße-sitzt-und-die-Zähne-fletscht und nicht in ein
Krokodil-das-im-Müllkasten-liegt-und-sich-die-Därme-durchrütteln-läßt verwandelt
hatte, blieb sie keine Sekunde lang in dem Auto, sondern saß sogleich wieder,
nur ein Stückchen weiter vorn, auf der Straße.
»Was Teufel«, sagte
Herr Karsunke zu sich, »noch ein Krokodil?« Er hob auch dieses Krokodil in sein
Auto. Und wieder saß Meta ein Stück vor ihm und blickte ihn mit bösen Augen an
und fletschte die langen gelben Zähne. Und so ging das denn immer weiter. Und
der Vorgang wiederholte sich so oft, dass Herr Karsunke, als er seine Strecke
abgefahren hatte, glaubte, er hätte seinen riesengroßen Kasten jetzt bis zum
Rand voll mit Krokodilen.
Er fuhr den Schuttberg
hinauf und stellte sich mit der Rückseite des Müllautos an dessen
Rand. Und dann zog er den Hebel, der die hintere Tür öffnet und die ganze
Ladung den Berg hinunterkippt. Doch als er nachsah, war kein einziges Krokodil
herausgefallen.
Alles, was da die
Halde hinabrollte, war ein bisschen Knüllpapier, einige Sofaspiralen und sechs
oder sieben Dachschindeln, die vom letzten Sturm her auf dem Pflaster gelegen
hatten. Herr Karsunke, der genau wusste, wie viele Krokodile er
aufgesammelt hatte, rieb sich ein paar Mal mit dem Handrücken über die Augen.
Das half natürlich auch nichts. Er ging verstört zur Fahrerkabine zurück.
Neben der Fahrerkabine
saß ein Krokodil; es fletschte die langen und gelben Zähne und sagte
entschuldigend: »Aber ich bin doch die Meta!« »Wenn das so ist ...«, versetzte
Herr Karsunke, »werde ich mich bei deinen Eltern beschweren.«
Und noch desselbigen
Tages, nachdem er sich gewaschen und zwei Stullen gegessen hatte, ging Herr
Karsunke zum Hause der Familie Morfoss und läutete an der Tür. Die Tante
öffnete ihm.
»Karsunke«, sagte der
Müllmann mit einer Verbeugung.
»Maffrodit«, stellte
sich die Tante ihrerseits vor.
»Nun«, sagte der
Müllmann. »um ein Wort von Mann zu Mann zu reden ... «
»Von Mann zu Frau«,
unterbrach ihn die Tante und zwirbelte ihren Schnurrbart. »Entschuldigen Sie,
Frau Maffrodit«, sagte der Müllmann. »Herr Maffrodit bitte«, verbesserte die
Tante.
»Also Herr Maffrodit«,
sagte der Müllmann, »von Mann zu Frau, oder sagen wir vielleicht lieber: Ganz
unter uns zwei beiden, ich habe eine Beschwerde über ihr Fräulein Nichte
vorzutragen.«
»Kommen Sie nur ruhig
herein«, sagte die Tante. »Der Lehrer Pauli ist auch schon drin, es ist ein
Abwasch.«
Herr Karsunke folgte
Herrn Maffrodit ins Wohnzimmer, und Frau und Herr Morfoss und Herr Dr. Pauli
gaben ihm die Hand, und Herr Morfoss brachte ein paar Flaschen Bier, und dann
saßen sie alle um den Tisch herum und redeten über Meta.
»Ich weiß nicht, von
wem sie das hat«, sagte Frau Morfoss.
»Geerbt kann sie es
nicht haben; denn weder mein Mann noch ich haben jemals die mindeste Lust
verspürt, uns in allerlei fremdes Zeug zu verwandeln. Beigebracht haben
wir es ihr natürlich auch nicht.«
»Kinder kommen eben manchmal
auf Ideen«, sagte Herr Morfoss.
»Ich muss bestätigen«,
erklärte Herr Dr. Pauli, »dass sie sich meistens recht rücksichtsvoll
verhält.« »Außer wenn sie ein Krokodil ist«, rief Herr Karsunke.
»Zugegeben«, sagte der
Lehrer. »Das geht entschieden zu weit.«
»Sie ist hässlich«,
sagte Herr Karsunke.
»Außer wenn sie ein
Engel ist«, widersprach Frau Morfoss.
»Wie?« fragte der
Müllmann, »sie ist auch gelegentlich ein Engel?«
Frau Morfoss beteuerte es.
»Aber dann liegt der
Fall ja noch schlimmer, als ich dachte« sagte der Müllmann. »Wenn sie stets ein
Krokodil wäre, wüsste man wenigstens mit der Zeit, woran man ist. Ein Krokodil,
das ist nicht das Ärgste. Aber nun auch noch ein Engel!«
»Was haben Sie gegen
Engel?« erkundigte sich der Lehrer.
»Gar nichts«, sagte
Herr Karsunke, »im Gegenteil, ich finde Engel ausgesprochen niedlich, ich
verlange nur eins: Dass sie sich endlich entscheidet, wer sie sein will, damit
man sich daran gewöhnen kann.«
»Wir haben uns auch so
daran gewöhnt«, sagte Herr Morfoss.
»Es ist doch ganz
klar, wer sie ist«, sagte Frau Morfoss.
»Sie ist doch die
Meta.«Hier erhob sich Herr Maffrodit, die Tante.
»Natürlich muss man
verhindern, dass sie dumme Streiche macht«, sagte sie. »Aber im übrigen glaube
ich nicht, dass man viel an ihr ändern kann. Und wenn ich es zum Beispiel
könnte, wüsste ich gar nicht, wo ich das Recht dazu hernehmen sollte.«
Danach schwiegen sie
eine Weile.
Und dann ging Herr
Morfoss in die Speisekammer und holte noch ein paar Flaschen Bier, und die
tranken sie zusammen aus und sprachen von Dingen, die minder erwähnenswert sind
und die wir deshalb auch keineswegs erwähnen wollen.
Und darum sieht es so
aus, als würde Meta Morfoss nicht aufhören, sich zu verwandeln: In einen Felsen
oder in einen Goldfisch oder in irgendetwas, auf das wir jetzt gar nicht
kommen.
Vielleicht eines
Tages, wenn wir in aller Gemütlichkeit ein Buch lesen, kann geschehen, dass wir
das Buch aufschlagen und es überraschenderweise in sehr artigem Tone zu uns
sagt: »Aber ich bin doch die Meta!«
Denn möglich ist ja
mehr, als wir oft denken.
Peter Hacks
Montag, 1. Februar 2021
Morgengesang der Seele
im Licht dieses neuen Tages,
der nun vor mir liegt
und das Potential hat,
der beste meines bisherigen Lebens zu werden.
Danke dafür, dass alles,
was noch nicht in der göttlichen Ordnung schwingt,
in Liebe berührt
und geheilt werden darf.
Danke für die Freiheit,
heute nur Entscheidungen zu treffen,
die auf Liebe und Vertrauen beruhen
und mir und dem Leben dienen.
Danke für das spielerische, leichte Gelingen
meiner Träume, Pläne und Absichten.
Ich bin geführt, gehalten, gesegnet.
Danke, dass ich an Wunder glauben darf,
und dass die göttliche Fülle meine Realität ist –
nicht in ferner Zukunft,
sondern hier und jetzt,
in der atmenden Gegenwart.
Danke, dass alles, was ich wünsche und brauche,
zum bestmöglichen Zeitpunkt in meine Hände fällt –
Danke für die Kraft meines Körpers,
sich immer wieder selbst zu heilen,
und für die Jugend, die in mir nie vergeht –
weil sie göttliches Licht ist,
nicht eine Anzahl gelebter Jahre.
Danke, dass ich mich selbst mit den Augen der Liebe sehen darf,
so wie der Schöpfer mich sieht:
schön, vollkommen und ewig.
Danke für mein unvergängliches Sein
und für meine Einzigartigkeit
in der göttlichen Schöpfung.
Aus dem höchsten göttlichen Licht der Liebe
möge der goldene Regen des Segens,
durch mich fließen
und alles berühren,
und möge ich in jedem Augenblick meines Lebens
ein Quell der Liebe, Güte und Freude sein.
Dienstag, 22. Dezember 2020
Die Christbaumkugel - Eine Weihnachtsgeschichte
Laurenzo lehnte seine Stirn an die Fensterscheibe und starrte in das Schneetreiben. Wann in den letzten Jahren hatte es jemals so geschneit? Der Garten lag bereits unter einer dicken Schneedecke und der Weg jenseits des Gartenzauns war kaum noch zu erkennen. Es dämmerte bereits, eigentlich hätten Alica und die Kinder schon zurück sein müssen. Die pure Unvernunft, heute mit dem Auto zu fahren. Sie hatten jedoch nur geheimnisvoll gelächelt und irgendetwas von Weihnachtsgeschenken gemurmelt, als er sie gefragt hatte, ob sie tatsächlich bei diesem Wetter in die Stadt wollten. Laurenzo seufzte und wandte sich vom Fenster ab. Er hatte seine Weihnachtsgeschenke natürlich längst besorgt.
Weihnachten!
Morgen war der Heilige Abend. Kaum zu glauben, dass schon wieder ein Jahr
vergangen war. Die Zeit verging so schnell. Die Kinder waren fast zwölf Jahre
alt, gar nicht davon zu reden, wie lange er mit Alica nun bereits verheiratet
war. Vierzehn Jahre? Oder waren es gar schon fünfzehn? Nachdenklich ging er in
den Abstellraum, um die Schachtel mit dem Schmuck für den Weihnachtsbaum zu
holen. Natürlich stand sie im obersten
Regal. Nun, Laurenzo war groß, und eine kleine Trittleiter stand auch da. Diese
Aufgabe schien also lösbar. Schwieriger wurde es schon, wenn er den
Weihnachtsbaum und den altgedienten, etwas antiquarisch aussehenden
Christbaumständer davon überzeugen musste, bis zum Heiligen-Drei-Königs-Tag fest zusammenzuhalten.
Seufzend stieg
er in den Keller und machte sich an die Arbeit. Kaum eine Stunde später hatte
er es geschafft. Der Baum stand. Und das auch noch aufrecht wie ein Zinnsoldat.
„Ziel erreicht“, murmelte er zufrieden und schleppte den Baum mitsamt Gestell
ins Wohnzimmer. Vor dem Kamin schien ihm der richtige Platz zu sein, und dort
stellte er ihn ab. Die Schachtel mit dem Schmuck stand ungeöffnet auf dem
Wohnzimmertisch. Laurenzo ließ sich aufs Sofa fallen und zog die Schachtel zu
sich heran. Vorsichtig nahm er den Deckel ab. Welch eine Pracht und
Herrlichkeit lag da vor seinen Augen! Glänzende Kugeln, Silbergirlanden und
glitzernde Sterne, Engel und Rentiere. Seit er ein Kind war, versetzte ihn
dieser Anblick in freudige Erregung.
Er blickte
auf die Uhr. Wo Alica und die Kinder nur blieben? Nun, Alica war eine gute und
sichere Autofahrerin. Bei diesem Wetter würde sie langsam fahren müssen. Er
brauchte sich keine Sorgen zu machen. Er würde die Zeit nützen, um den
Weihnachtsbaum zu schmücken.
Sorgfältig
begann er, eine Kugel nach der anderen auf den Baum zu hängen. Bis nur mehr
eine einzige Kugel in der Schachtel lag. Diese eine ganz besondere Kugel.
Bezüglich Schönheit konnte sie sich mit den anderen nicht messen. „Willst du
diese Kugel nicht endlich wegwerfen?“ hörte
er Alica in seinen Kopf fragen. „Papa, diese Kugel passt doch gar nicht zu den
anderen“, hörte er die Kinder. Nein, diese Kugel würde er nicht wegwerfen. Fast
zärtlich nahm er sie aus der Schachtel und betrachtete sie nachdenklich. In der
Tat, sie passte wirklich nicht zu den anderen. Sie war im Laufe der Jahre matt
und glanzlos geworden. Außerdem hatte sie einen braunen Brandfleck, da sie
einmal zu nahe an einer brennenden Kerze gehangen hatte. Und leider war sie
auch das, was Alica und die Kinder als „fürchterlich kitschig“ bezeichneten.
Silbern mit grünen Streifen. Auch Laurenzo fand sie nicht schön. Jedoch zierte
diese Kugel seit seiner Kindheit jeden Weihnachtsbaum, an den er sich erinnern
konnte. Nichts und niemand würden ihn dazu bringen, sie wegzuwerfen.
Bilder
tauchten vor seinem inneren Auge auf. Ein riesengroßer Weihnachtsbaum. So prächtig, wie er nie einen gesehen hatte.
Die brennenden Kerzen. Zwei kleine Jungen mit großen, leuchtenden Augen – er
und sein jüngerer Bruder. Sein Vater, der auf dem Klavier „Stille Nacht“
spielte. Seine Mutter mit dem Baby im Arm - seiner kleinen Schwester - deren
Geburt sie fast das Leben gekostet hatte. Erst am Vortag hatte sie das
Krankenhaus verlassen können. Und dass sie nun hier mit ihnen stand, grenzte an
ein Wunder. Er selbst musste damals vier Jahre alt gewesen sein. „Dies ist ein
besonderer Tag heute“, hörte er seinen Vater murmeln. „Ein ganz besonderer
Weihnachtsabend.“ Und sein Blick ruhte
mit großer Zärtlichkeit auf ihnen allen.
Laurenzo sah
die Kugel in seiner Hand an. „Erinnerst du dich daran?“ flüsterte er.
„Ja, ich
erinnere mich.“ Laurenzo spürte die Antwort der Kugel in seiner Hand, in seinem
Bauch, ja in seinem ganzen Körper. „Ich erinnere mich auch an das Weihnachtsfest
einige Jahre später. Dein Großvater –
der Vater deiner Mutter – war zu Besuch gekommen, und du hast ihn damals zum
ersten Mal gesehen. An diesem Tag überwand er endlich den Groll, den er gegen
deine Mutter hegte, seit sie deinen Vater
– einen mittellosen Künstler , wie er es nannte – geheiratet hatte. „Ein
besonderer Tag“, sagte deine Mutter mit Tränen in den Augen. „Ein ganz
besonderes Weihnachtsfest.“ Ihr größter
Wunsch – Frieden zu schließen mit ihrem Vater - war in Erfüllung gegangen.
Laurenzo
schwieg lange und dachte an seinen Großvater, den er in den folgenden Jahren als einen ganz
besonderen Menschen erlebt hatte und der ein unverzichtbarer Bestandteil seiner
Kindheit geworden war. Wie lange war das
nun her? Sein Großvater war gestorben, ehe er Alica kennengelernt hatte.
Dann das
Weihnachtsfest, als sein Vater sein Engagement verloren hatte und sie kein Geld
hatten. „In diesem Jahr wird es keine Weihnachtsgeschenke geben“, hatte seine
Mutter traurig gesagt. Sein Bruder und seine Schwester zogen unglückliche
Gesichter. Aber er war schon groß und verstand das. „Das macht doch nichts“, hatte er sich beeilt
zu sagen, um die Mutter zu trösten. Es
hatte dann doch noch für ein kleines Geschenk für jeden gereicht. Seine
Schwester hatte eine kleine Puppe bekommen, sein Bruder ein Spielzeugauto und
er selbst warme Socken, die er dringend gebraucht hatte. Er kämpfte tapfer mit
den Tränen und versuchte, niemanden merken zu lassen, dass er auch lieber ein
Auto gehabt hätte.
„Keiner außer
mir hat es gesehen“, murmelte die Kugel.
„Und dann,
als du für deine Mutter diese schrecklichen Topflappen genäht hast und dafür
ihr bestes Handtuch zerschnitten hast. Ihr Gesicht werde ich nie vergessen.“ Es schien Laurenzo, als schüttelte sich die
Kugel vor Lachen in seiner Hand. Ja, auch Laurenzo würde das Gesicht seiner
Mutter niemals vergessen, diese Mischung aus gespielter Freude über diese
furchtbaren Topflappen und das ungläubige Staunen über das zerschnittene
Handtuch. Und dazu das laute, dröhnende Lachen seines Vaters.
Irgendwann
kam Alica in sein Leben. Er brauchte nur
drei Sekunden, um zu wissen, dass sie die Frau war, mit der er sein weiteres
Leben verbringen wollte. Sie hatten geheiratet, als sie sich kaum ein Jahr
kannten, und es bis jetzt nie bereut. „Mein erstes Weihnachtsfest mit Alica.
Erinnerst du dich?“ frage er leise. Natürlich erinnerte sich die Kugel. „Unsere
erste gemeinsame Wohnung. Eine kleine Dachwohnung mit einem rauchenden und fauchenden
Ofen. Wir hatten es gerade noch geschafft, vor Weihnachten die nötigsten Möbel
zu beschaffen. Ein besonderer Tag, sagte Alica lächelnd, als wir Hand in Hand
vor dem kleinen, windschiefen Weihnachtsbäumchen standen. Unsere ersten gemeinsamen Weihnachten.“
Versonnen
betrachtete er die Kugel in seiner Hand. „ Und du hingst ganz vorne auf dem
Baum.“
„Ja, in der
Tat“, murmelte die Kugel. „Das war ein ‚heißes‘
Weihnachtsfest. Alica hängte mich
zu nahe an eine brennende Kerze. Ich glaube, das tat sie absichtlich. Sie
mochte mich nie.“
Es war
dunkel geworden und im Raum herrschte Stille. Es schien ihm, als zögen alle
Weihnachtsabende seines Lebens an ihm vorüber. Die ersten Weihnachten mit den
Kindern. Der Heilige Abend mehrere Jahre
später, an dem seine beiden Buben einen halb erfrorenen und ausgehungerten
Dackelmischling gefunden und mit nach Hause gebracht hatten. Nachdem sie tagelang
nach den Besitzern geforscht hatten, aber niemand auf ihn Anspruch erhoben
hatte, behielten sie ihn und nannten ihn Bob.
„Und das
Weihnachtsfest darauf, an dem Alica mir das Leben gerettet hat“, raunte die
Kugel.
„Dir das
Leben gerettet?“
„Ja, sie
weigerte sich eisern, mich auf den Baum zu hängen und versteckte mich ganz tief
in der Schachtel unter dem übrig gebliebenen Lametta. Dann warf der verrückte
Bob in seiner Begeisterung und seiner
Gier nach den Zuckerringen, den ganzen Baum um, und alle Kugeln lagen in
Scherben. Du musstest sehen, wo du im letzten Augenblick noch neue auftreiben
konntest.“
„Ja“,
Laurenzo lächelte in der Erinnerung, „ich konnte mir einige Kugeln von den
Nachbarn borgen. Und du hingst natürlich wie immer ganz vorne auf dem Baum.“
Lange saß
Laurenzo noch im Dunkeln, die Kugel in seiner Hand.
Endlich hörte er das Auto die Auffahrt entlang rollen, das Schlagen der Autotüren und bald darauf Alica und die Kinder ins Haus stürmen. Erleichtert stand er auf und ging ihnen entgegen. Erst jetzt spürte er, dass er sich doch Sorgen gemacht hatte. Sie würden nun zu Abend essen und Alica und die Kinder würden kreuz und quer durcheinander von ihren Erlebnissen berichten. Den Christbaum würde er später fertig schmücken. Und morgen, wenn er gemeinsam mit seiner Familie das Weihnachtsfest feiern würde, würde seine Kugel wie immer am Baum hängen. Ganz vorne.
Mittwoch, 28. Oktober 2020
Die Geschichte von den zehn Lahmen
Zehn Lahme liegen auf ihren Bahren vor dem Tempel und der große Meister kommt.
So sagt er zum ersten Lahmen: „Stehe auf, nimm deine Bahre und gehe heim, du bist geheilt.“
Der steht auf, nimmt seine Bahre, und geht heim.
So macht der Meister das mit jedem einzelnen, und die stehen der Reihe nach auf und gehen heim.
Er kommt zum letzten, der jedoch bleibt liegen.
"Meister", sagt er, "ganz schwieriger Fall bei mir. Schon beim Spezialisten gewesen. Nichts zu machen."
Doch der Meister ist milde. Er versucht es nochmal. Doch der Lahme ist nicht zu bewegen.
„Meister, du verstehst mich nicht. Attest vom führenden Spezialisten, Röntgenbilder, Computer-Tomographie...!"
Der Meister gibt auf und geht weiter seines Weges.
Am Abend wird der Lahme nach Hause getragen, wo er die Geschichte seiner Frau erzählt:
„Stell dir vor Liebes... alle neun vor mir sind auf den reingefallen. Nur ich nicht nicht!"
💥
Hmm... vielleicht sollten wir ja doch einmal unser Überzeugungen und Glaubenssätze überdenken...
Montag, 5. Oktober 2020
Herz-Meditation
und aus…
und nochmal…
ein…
und aus.
Wende deine Aufmerksamkeit deinem Atem zu…
und beobachte…
wie du dich mit jedem Atemzug mehr…
und mehr entspannst.
Komm ganz in dir selber an.
Zieh deine Aufmerksamkeit von der äußeren Welt ab…
sei völlig bei dir selbst.
Spüre deinen Körper…
deinen Atem…
der gleichmäßig ein- und ausströmt.
Alle Gedanken, die dich noch beschäftigen...
magst du einfach ausatmen.
Atme dich frei…
und leer.
💗
Lege nun eine Hand auf dein Herz…
und wende dich mit deiner Achtsamkeit deinem Herzen zu…
spüre den Rhythmus deines Herzschlags…
und sei dir der Lebenskraft gewahr…
die von deinem Herzen ausgeht.
Fühle die Energie deines Herzens…
und lasse dich fallen…
in die unerschöpfliche Quelle…
von Liebe...
Mitgefühl...
und tiefem Frieden.
💗
Achte nun auf deinen Atem.
Beobachte…
wie er langsamer…
und langsamer wird.
Sei dir jedes Atemzugs vollkommen bewusst.
Genieße das langsame…
bedächtige Einatmen…
und das entspannende…
und beruhigende Loslassen…
beim Ausatmen.
Und je langsamer dein Atem wird…
desto tiefer spürst du deine Entspannung…
und deinen inneren Frieden.
Mit jedem deiner langsamen…
bewussten Atemzüge…
atmest du das unumstößliche Wissen ein…
dass dir nichts widerfahren kann…
dem du nicht auf irgendeiner Ebene deines Seins...
deine Zustimmung gegeben hast.
Du bist in Sicherheit…
und Freiheit.
Lass den Atem nun durch dein Herz fließen.
Atme langsam…
ganz langsam…
durch dein Herz ein…
und ebenso langsam…
durch dein Herz wieder aus.
Vielleicht magst du dir dein Herz als eine Quelle vorstellen…
die unerschöpflich reines, klares Licht ausströmt…
und sei dir der Liebe…
der Wärme…
und des Mitgefühls gewahr…
die in diesem Licht…
wellenartig aus deinem Herzen fluten.
💗
Erlaube dir nun…
Dankbarkeit zu empfinden.
Tiefe, reine Dankbarkeit.
Dankbarkeit für dein wundervolles Leben…
das du nach deinen Vorstellungen gestalten darfst.
Dankbarkeit für den Segen…
der in jedem Augenblick deines Lebens…
auf dich herab …
und durch dich hindurch strömt…
und der dir so vertraut ist…
dass du dir seiner nicht mehr bewusst bist…
ihn nicht mehr beachtest.
Dankbarkeit für alle Erfahrungen…
die auf deinem Weg auf dich warten…
und für alle…
die du bereits machen durftest…
egal, wie du sie zum Zeitpunkt …
zu dem sie erfolgten…
beurteilt hast…
und ob sie dir…
gut oder schlecht erschienen.
Empfinde tiefe Dankbarkeit…
für alle Menschen…
die deine Wirklichkeit bevölkern…
egal ob sie dir als Freunde oder Feinde erscheinen.
für dein einzigartiges…
wundervolles Selbst,
und sei dankbar für jeden Augenblick…
in dem es dir gelingt…
die bestmögliche Version deiner Selbst zum Ausdruck zu bringen.
Lass niemals endende Dankbarkeit aus deinem Herzen strömen…
Dankbarkeit…
für alles was ist…
und die Freude in deinem Leben…
wird niemals ein Ende finden.
Möge der Brunnen deiner Dankbarkeit nie versiegen
Und möge dein Herz immerzu mit Freude erfüllt sein.
💗
Komm mit deiner Aufmerksamkeit und wieder zurück…
zu deinem Körper…
finde wieder zu Klarheit…
und Wachheit zurück.
Bewege dich…
dehne dich…
strecke dich…
mach einen tiefen Atemzug…
und öffne ganz in deinem Tempo…
wieder deine Augen.
Sonntag, 4. Oktober 2020
Die Geschichte vom Seuchengott
Einst saß ein alter, weiser Mann unter einem Baum, als der Seuchengott des Weges kam. Der Weise fragte ihn: “Wohin gehst du?” Und der Seuchengott antwortete ihm: “Ich gehe in die Stadt und werde dort hundert Menschen töten.”
Auf seiner Rückreise kam der Seuchengott wieder bei dem Weisen vorbei. Der Weise sprach zu ihm: “Du sagtest mir, dass Du hundert Menschen töten wolltest. Reisende aber haben mir berichtet, es wären zehntausend gestorben.” Der Seuchengott aber sprach: “Ich tötete nur hundert. Die anderen starben an ihrer Angst.”
Samstag, 21. März 2020
Corona - Bedrohung oder Chance?
Da stehen wir nun alle miteinander vor einer Situation, die uns verunsichert, weil uns die Kontrolle darüber zu entgleiten scheint.
Und es zeigt uns deutlicher als jegliche "Normalsituation" es je könnte: wir sitzen alle im selben Boot. In einem Boot, das schon seit langem bedenklich schaukelt, und das jetzt noch einmal einen massiven Schubs erhalten hat.
Wir alle - das sind
- die totalen "Panik-Typen", die genau wissen: JETZT KANN UNS NUR MEHR TOILETTENPAPIER RETTEN
- die Coolen und Lässigen, die wiederum wissen: das alles ist nur Fake, wir werden wieder einmal für dumm verkauft
- die Verschwörungstheoretiker, die überzeugt sind, dass wir gezielt ausgerottet werden sollen
- die Esoteriker, die einen wirtschaftlichen Zusammenbruch längst vorausgesehen - ja geradezu herbeigesehnt haben
- und last not least die Betroffenen, die zumindest die Fake-Theorie nicht vollinhaltlich unterstützen können.
Samstag, 21. September 2019
Dankgebet
Freitag, 20. September 2019
Wie Neale Donald Walsh und ich unseren Morgen beginnen
Zelebriert gleich nach dem Aufstehen
- Dankbarkeit
- Singen
- Lächeln
- Erweiterung des spirituellen Horizonts
- Vergeben
Dankbarkeit zu empfinden erzeugt Freude und Zuversicht. Und um Dr. Joe Dispenza zu zitieren: "Dankbarkeit ist der ultimative Zustand des Empfangens". Wer also wollte sich nicht in diesen Zustand begeben? Und Gründe für Dankbarkeit haben wir wohl alle mehr als genug.
Singen hat eine wundervoll heilsame Wirkung auf den ganzen Körper. Es bringt den Kreislauf in Bewegung, aktiviert die Atmung baut Aggressionen und Stress ab und hebt die Stimmung. Versuche es. Marschiere einfach morgens laut singend ins Badezimmer. Oder singe unter der Dusche.
Lächle, und du bist nicht imstande, negative Emotionen zu empfinden. Lächeln vermindert Stress und kurbelt das Immunsystem so richtig an. Mirsakarim Norbekov beschreibt in seinem Buch "Eselsweisheit" wunderbar die heilsame Wirkung des Lächelns.
Schon am Morgen etwas Aufbauendes zu lesen oder zu hören, stärkt den Lebensmut und den Glauben an uns selbst. Das ist doch wirklich heilsamer, als die Mails zu checken, WhatsApp-Nachrichten zu lesen oder den Geschirrspüler einzuräumen.
Und dann noch allen vergeben, sich selbst eingeschlossen... wie könnte man einen Tag besser beginnen?
Der Unterschied zwischen Neale Donald Walsh und mir ist nur der, dass Neale das tatsächlich jeden Morgen betreibt. So ist es auf seinem Blog zu lesen. Und ich - ich gehöre leider zur Fraktion der "Morgen-fange-ich-an-Menschen". Also fange ich erst morgen damit an. Wenn ich nicht zu müde bin, zu lustlos, einfach nicht in der richtigen Stimmung, zu wenig Zeit habe oder mir über Nacht noch eine andere Ausrede ausdenke. Denn dann würde ich eventuell erst übermorgen anfangen. Oder am Montag. Oder zur Wintersonnenwende. Oder zu Neujahr, denn da braucht man sowieso immer ein paar gute Vorsätze. 😏
NEIN! Keine Ausreden mehr. Ab morgen absolut keine Ausreden mehr. Morgen fange ich an. 😏😁
Akzeptieren ist ganz einfach...
Ich habe allen Menschen gegenüber die gleiche wohlwollende, wertfreie Grundeinstellung. Egal, welcher Nationalität einer ist, welcher Minderheit er angehört, ob er Flüchtling ist oder Obdachloser, ob er reich, arm, gesund, krank, ob er klug oder einfältig ist, ob er Alkoholiker ist oder drogensüchtig, ich akzeptiere ihn.
Es sei denn, er hat eine grundlegend andere politische Meinung als ich. Oder er will und will einfach nicht die Bücher lesen, die ich für gut halte und ihm empfehle. Oder er hat eine Meinung über Gott und die Welt, die einfach nicht zu akzeptieren ist, so gern man auch möchte. Oder er ist so kreuzdumm, dass es einem die Zehennägel aufrollt. Oder er hält beim Autofahren das Lenkrad mit nur einer Hand. Oder er kann keine andere Meinung akzeptieren, bzw. kann einfach nie zugeben, dass er unrecht hat. Oder er will mich für dumm verkaufen. Oder er ist ein inkompetenter und korrupter Politiker. Oder er glaubt, er kann einfach so sein, wie es ihm passt (kann er ja auch, aber bitte nicht in meiner Gegenwart!). Oder er kreuzt auf irgendeine andere unangemessene Weise meinen Weg. Oder er ist sowieso ein Trottel.
Aber wie viele sind das schon? Hundert? Hundertfünfzig? Alle anderen - und das sind immerhin nahezu 8 Milliarden - akzeptiere ich einfach so, wie sie sind. 😏
Freitag, 13. September 2019
Vom richtigen Kommunizieren
In Kommunikation bin ich wirklich gut. So komplex dieses Thema auch sein mag - ich weiß Bescheid. Ich bin geradezu ein Meister der Kommunikation. Nicht umsonst habe ich gefühlte 100 Bücher darüber gelesen und mich bei YouTube umfassend informiert. Nicht umsonst halte ich im Familienkreis treffende Vorträge über die Vorzüge gekonnter Konversation. Ich kenne die unterschiedlichsten Kommunikationsmodelle und Konzepte. Man mag es mir glauben, ich brauche mich nur kurz zu schütteln, und schon prasseln die vorzüglichsten Theorien und Weisheiten nur so aus aus mir heraus. Man kann es sehen wie man will - ich hab es einfach drauf.
Es könnte also alles bestens laufen. Nur manchmal ist es halt nicht so einfach, wie es aussieht. Denn da sind ja auch noch die anderen. Die anderen, die einfach nicht begreifen wollen, worum es da geht. Die anderen, die in jeden Satz - ja in jedes Wort, das einer sagt - irgendetwas vollkommen Unsinniges hineininterpretieren. Da können ja nur Missverständnisse entstehen.
Dann gibt es noch diejenigen, die alles - wirklich alles, das man sagt - persönlich nehmen.
Nun, ich bin auch nicht grad der Typ, der sämtlichen verbalen Entgleisungen seiner Mitmenschen mit einem souveränen Lächeln im Gesicht begegnet und alles an sich abperlen lässt. Aber alles so dermaßen persönlich nehmen - NEIN! Das geht gar nicht!
Naja, und 'last not least' gibt es noch diejenigen, die irgendetwas sagen und etwas ganz anderes meinen. Man sollte nicht glauben, wie viele es davon gibt.
Nur ein Beispiel:
Ich stehe in der Küche und koche. Und mein guter, altvertrauter Ehemann kommt herein und fragt "Was kochst du denn da?" BITTE??? Er hat sich nicht mal noch seine Jacke ausgezogen und fängt schon an, über das Essen zu meckern? Entsprechend kalt fällt meine Antwort aus. "Dann kochst du nächstes Mal eben selbst, wenn dir sowieso nie was passt und du nur meckerst!" Seinen erstaunten Einwand, er habe ja gar nicht gemeckert, nehme ich gar nicht zur Kenntnis. Ich kenne mich schließlich aus mit Kommunikation. Ich weiß genau, was er tatsächlich meint, wenn er so harmlos tut. Und dann fragt er mich doch tatsächlich noch, ob ich denn sauer sei. Was jetzt?? ER meckert herum, und MICH fragt er, ob ich sauer sei? Ich und sauer! Wann wäre ich denn jemals sauer?? Wenn ihm überhaupt nichts passt an mir, dann sollte er einmal zur Eheberatung gehen. Oder ausziehen. Oder sich eine Frau suchen, die seinen Beurteilungskriterien besser entspricht. Traurig, sowas. Wirklich traurig.
Oder eine andere Situation:
Ich esse einen Kuchen. Er kommt zur Tür herein und stellt fest: "Oh, du isst einen Kuchen!" Ja bitte, was passt denn jetzt schon wieder nicht? Klar, ich verstehe schon! Er spielt er auf meine Figur an. Ich weiß eh selber, dass ich dringend ein paar Kilo abnehmen sollte. Nun, das finde ich jetzt aber dennoch richtig beleidigend, dass er mir so unverblümt ins Gesicht sagt, dass ihm meine Figur nicht passt, nur weil ich - was eh nur sehr selten vorkommt - einen Kuchen esse. Von seinem langjährigen Lebenspartner einfach als zu dick bezeichnet zu werden - nur weil man ausnahmsweise einmal einen Kuchen isst, ist ja nun wirklich gar nicht witzig. Mehr als verletzend ist das. Und genau das sage ich ihm auch. Sehr vehement sogar. Er tut jedoch so, als wüsste er gar nicht, wovon ich rede und behauptet, das ja gar nicht gesagt zu haben. Ja klar, das weiß ich selber auch. Aber er hätte es sagen KÖNNEN. Versteht ihr? Er hätte es sagen KÖNNEN! Er war schon ganz knapp dran. Und gedacht hat er es sowieso. Dazu brauche ich ihn nur von hinten zu sehen, um das zu wissen.
Ja, es ist nicht einfach mit der Kommunikation. Wie gesagt, ich verstehe ja wirklich viel davon, aber was hilft's, wenn nur ich es kann? Es den anderen beizubringen, das wäre die Lösung! Aber wie soll das gehen, wenn kein noch so gut gemeinter Vortrag irgendeine Wirkung zeigt? Wenn es ein Buch gäbe mit dem Titel: "Wie bringe ich meinen Mitmenschen die einfachsten Regeln der Kommunikation bei" - Leute, ich würde es unverzüglich kaufen. 😏














