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Montag, 14. Juli 2025

Die Macht des Segens

Die Macht des Segens ist etwas, mit dem ich mich erst in den letzten Jahren tiefer auseinandergesetzt habe. Das Wort „Segen“ hat mich früher eher abgeschreckt – zu sehr war es für mich mit Religionen verknüpft.

Doch wenn man genau hinsieht, ist Segnen nichts anderes, als einem Menschen, einem Projekt, einer Sache oder Situation Liebe, Anerkennung und Wohlwollen zu schenken.
Jemanden zu segnen bedeutet, ihm von Herzen Gutes zu wünschen – mit der Absicht, sein Glück und Wohlergehen zu fördern oder ihn zu schützen und vor Unglück zu bewahren.

Wir alle wissen um die Macht der Gedanken und die Macht der Worte. Die Erkenntnis, wie wir mit Gedanken und Worten unsere Realität gestalten, ist mittlerweile wohlbekannt.
Somit darf uns auch klar sein, dass ein ehrlich ausgesprochener oder gedachter Segen seine Wirkung nicht verfehlen wird.
Und je großzügiger wir segnen – also gute Wünsche in die Welt senden –, desto gesegneter werden auch wir selbst sein.

Es scheint, als fiele den meisten Menschen das Fluchen leichter als das Segnen. Und oft geschieht das ganz unbewusst.
Beobachten wir uns selbst einmal beim Autofahren oder wenn uns kleinere oder größere Missgeschicke passieren:
Flüche kommen uns meist schneller über die Lippen als Segenswünsche.

Ich habe einmal gelesen, dass jeder Segenswunsch einen Fluch aufheben könne – und jeder Fluch einen Segenswunsch.
Auch wenn das vielleicht zu einfach gedacht ist, glaube ich doch, dass Segen viel vermag – und manches Dunkle zu erhellen imstande ist.

Nichts, was wir denken oder sagen, geht je verloren.
Wenn wir diesen Gedanken konsequent zu Ende denken, ist er sehr aufrüttelnd –
und sollte uns dazu bewegen, unsere Gedanken und Worte bewusster und liebevoller zu wählen.

Wenn wir jeden Tag bereits am Morgen segnen, können wir darauf vertrauen, dass es ein gesegneter Tag werden wird.

Die Huna-Lehre schenkt uns drei wundervolle Sätze, mit denen wir jeden Tag beginnen könnten:

Ich vertraue auf mich selbst und das Göttliche in mir
Ich segne alles, was ist, was war und je sein wird.
Ich verdiene das Beste – und nichts anderes wird mir zuteil.

Wenn wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten, werden wir jederzeit Gelegenheiten finden zu segnen:
unser Auto vor dem Wegfahren, unsere Nahrung, ehe wir sie zu uns nehmen, die Menschen, die wir lieben –
und jene, die wir vielleicht (noch) nicht lieben.
Unsere Arbeit, unsere Projekte und Pläne.
Jeder Herausforderung können wir mit einem Segenswunsch begegnen.

Manchmal segne ich auch wildfremde Menschen auf der Straße – mit den einfachen Worten:
„Segen sei mit dir.“ Oder auch: „Friede sei mit dir.“
Es ist erstaunlich, wie sehr sich die eigene Haltung – und manchmal sogar die Atmosphäre – in solchen Momenten verändert.
Ein Segen muss nicht kompliziert sein; er lebt von Aufrichtigkeit und von der inneren Haltung des Wohlwollens.

Am Ende liegt in der Macht des Segens die Möglichkeit, unser eigenes Leben und das Leben anderer mit Licht und Zuversicht zu füllen.
Jeder gesprochene oder gedachte Segen ist wie ein leiser Funke, der Hoffnung, Heilung und Freude verbreiten kann –
in uns selbst und in der Welt um uns herum.

Möge der Segen mit dir sein – heute, und an jedem neuen Tag.



Dienstag, 3. Dezember 2024

Gebet für die Heilung der Ahnen

Gebet der Befreiung

(inspiriert vom Nahuatl-Segen)

Ich befreie meine Eltern von dem Gedanken,
mit mir versagt oder mich enttäuscht zu haben.
Ich danke ihnen für ihr Dasein und lasse sie in Frieden.

Ich befreie meine Kinder von der Erwartung,
mich stolz machen zu müssen.
Mögen sie ihren eigenen Weg gehen –
im Einklang mit der Stimme ihres Herzens.

Ich entlasse meinen Partner aus der Aufgabe,
mich zu vervollständigen.
Ich bin ganz in mir –
und wachse durch jede Begegnung mit dem Leben.

Ich danke meinen Großeltern und Ahnen,
dass sie mir das Leben ermöglicht haben.
Ich lasse ihre Schmerzen und unerfüllten Träume frei,
wissend, dass sie in ihrer Zeit ihr Bestes gegeben haben.
Ich ehre sie, liebe sie und sehe ihre Unschuld.

Vor ihren Augen mache ich meine Seele transparent.
Ich trage nichts Verstecktes in mir,
und schulde nur eines:
mir selbst treu zu sein.

Ich folge der Weisheit meines Herzens
und gehe meinen Weg in Freiheit –
losgelöst von familiären Erwartungen,
sichtbar oder verborgen.

Ich trage die Verantwortung für mein Glück
und lasse alle Rollen los,
die nicht aus Liebe entstanden sind.

Ich lerne durch die Liebe,
und ehre mein wahres Wesen –
selbst wenn es unverstanden bleibt.

Ich kenne meinen Weg,
weil ich ihn selbst gegangen bin.
Ich verstehe mich,
weil ich mich selbst erlebt habe.

Ich erkenne mich an:
als frei von Schuld,
als würdig, als Licht.

Ich ehre dich,
ich liebe dich,
und auch du bist frei von Schuld.

Ich erkenne die Göttlichkeit in dir –
und in mir.

Wir sind frei.

Inspiriert vom Nahuatl-Segen (geschrieben im 7. Jahrhundert in der Zentralregion von Mexiko)




Mittwoch, 31. Dezember 2014

Ein bisschen mehr Frieden...


Ein bisschen mehr Frieden und weniger Streit. 
Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid.
Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass. 
Ein bisschen mehr Wahrheit - das wäre was.

Statt so viel Unrast ein bisschen mehr Ruh. 
Statt immer nur Ich ein bisschen mehr Du. 
Statt Angst und Hemmung ein bisschen mehr Mut. 
Und Kraft zum Handeln - das wäre gut. 

In Trübsal und Dunkel ein bisschen mehr Licht. 
Kein quälend Verlangen, ein bisschen Verzicht. 
Und viel mehr Blumen während des Lebens, 
denn an Gräbern - da blüh'n sie vergebens. 

Peter Rosegger (1843 - 1918)






Montag, 21. April 2014

Der goldene Regen des Segens

Aus dem höchsten göttlichen Licht der Liebe
möge der goldene Regen des Segens,
des Schutzes und der Heilung
durch dich fließen.
Durch dich -
und durch alles, was ist.




Montag, 7. April 2014

Segen für das Licht in mir

Möge das Licht, das ich in mir trage,
erkannt werden von jenen,
deren Herzen offen sind –
für die Stille,
für die Güte,
für das Leuchten jenseits der Worte.

Möge es Menschen geben,
die mit Liebe und Achtsamkeit schauen,
die den zarten Glanz meiner Seele erkennen,
ihn ehren
und mit ihrem eigenen Licht berühren.

Möge tiefes Vertrauen in mir wachsen.
Möge ich niemals vergessen:
Ich bin geliebt – getragen – gehalten.

Möge das, was ich gebe –
die Liebe, die aus mir fließt –
immer wieder gespiegelt werden
in den Augen derer,
die mich wirklich sehen.

Und möge das goldene Licht,
das ich in die Welt bringe,
niemals vergehen,
sondern sich still ausbreiten
wie ein unaufhaltsamer Strom von Liebe.


Aus dem Buch Mein Herz in deinem




Samstag, 15. März 2014

Nora und Billy

Als ich Nora das erste Mal begegnete, muss ich etwa 20 Jahre alt gewesen sein. Nora mag damals wohl fast doppelt so alt wie ich gewesen sein, in meinen Augen war sie also eine alte Frau. 
Ich war mit ihrem Bruder Billy befreundet, der um einiges jünger war als sie. Die beiden hatten ihre Eltern früh verloren, und Nora fühlte sich für Billy verantwortlich, zumal Billy während seiner Kindheit eine schwere Erkrankung überwinden musste und in Noras Augen seine Hilfebedürftigkeit wohl nie ganz verloren hatte. 

Billy war klug, amüsant, herzlich und es fiel ihm nie schwer, Sympathien zu gewinnen, Nora hingegen war streng, abweisend, kühl und Furcht einflößend. Zumindest auf mich wirkte sie so. Ich glaube nicht, dass sie viele Freunde hatte. 

Wenn ich im Haus von Nora und Billy zu Gast war, vermied ich nach Möglichkeit jede Begegnung mit Nora. Billy war anders, als alle Menschen, die ich kannte, und er gefiel sich darin, "anders" zu sein. Noras Bestreben war es, "normal" zu sein. Billy war für Nora wie ein exotisches Wesen, das sie weder einordnen noch verstehen konnte. Sie wollte nichts weiter, als ein durchschnittliches und vernünftiges Leben zu führen, und in dieses Schema passte Billy nicht. Da nun jeder von ihnen seine eigenen Wertigkeiten und seine Wesensart geradezu kultivierte, schien ihre Beziehung zueinander so, als würde eine Henne ein Entenküken großziehen und dabei versuchen, es vom Schwimmen abzuhalten..

Vor kurzem trat Nora indirekt wieder in mein Leben. Das kam so, dass  nach mehr als 40 Jahren, in denen ich von den beiden nichts gesehen und gehört hatte, plötzlich Billy in meinen Gedanken auftauchte. Und er tauchte nicht nur auf, sondern klammerte sich so lange an meine Gehirnzellen, bis ich reagierte und begann, im Internet nach ihm zu suchen. Ihn zu finden war nicht schwer. Ich fand ihn dort, wo ich zwar nicht erwartet hatte, ihn zu finden, wo ich aber trotzdem meine Suche begonnen hatte. Die Freude auf beiden Seiten war groß, doch drei Wochen später starb Billy. Zurück blieb Nora, die mittlerweile eine verbitterte alte Frau geworden war, zerfressen von Groll und Hass gegen sich selbst, gegen ihren toten Bruder und gegen die Welt.

Ich habe über Nora und Billy oft nachgedacht in den letzten Tagen, Wochen... Die Rollenverteilung "Held und Widersacher", "Gut und Böse", "Schwarz und Weiß" schien immer so einfach, ja, drängte sich geradezu auf. Damals - vor mehr als vierzig Jahren - war das sonnenklar. Doch selbst mein inzwischen erwachsen gewordenes und doch etwas reiferes ICH  möchte - wenn es sich unbeobachtet glaubt - in dieser Konstellation gerne einen Täter und ein Opfer, einen Guten und einen Bösen sehen. Aber dies wäre wohl eine sehr vereinfachte Betrachtungsweise. 

Man mag nun die Vergangenheit in seine Überlegungen einbeziehen, Noras Kindheit während des Zweiten Weltkriegs, Billy, dessen Erkrankung ihm die nahezu ungeteilte Zuwendung und Aufmerksamkeit seiner Eltern sicherte und Nora in den Schatten drängte. Nora, ein Kind, das nichts weiter suchte, als Liebe und Beachtung, und das sich selbst langsam und unaufhaltsam hinter der Erkrankung und Pflegebedürftigkeit des Bruders verschwinden sah. Nora -ein Kind, dessen Erwartungen ans Leben nicht erfüllt wurden, und später eine Erwachsene, die glaubte, das Leben sei ihr etwas schuldig geblieben. Billy - der die Spuren seiner Krankheit sein Leben lang zu tragen hatte und das wahre Glücklichsein wohl auch auf die nächste Inkarnation verschoben hat.

Noras Schmerz war wohl irgendwann so übermächtig geworden, dass sie dachte, keine Wahl zu haben. Ihre einzige Option schienen ihre Wut und ihr Hass auf ihren Bruder zu sein. Schuldgefühle, Schuldzuweisungen und Frustration nahmen ihr scheinbar jede Wahlmöglichkeit. Sie hatte - ebenfalls nur scheinbar - keine Kontrolle über ihre Emotionen, konnte nicht mehr frei nach ihrem eigenen Willen agieren, sondern reagierte - im Rahmen dessen, was ihr möglich war - auf die Situation. Sie wusste nicht, dass sie trotz allem hätte glücklich sein können, wenn sie sich dazu entschieden hätte und wenn sie bezüglich ihrer Emotionen und ihrer Haltung eine andere Wahl getroffen hätte. 

Was ist nun meine Rolle in dieser Geschichte? Diese Frage stellt sich mir, jedoch habe ich noch keine schlüssige Antwort darauf gefunden. Vielleicht ist es nötig, meine manchmal allzu raschen Urteile zurückzunehmen oder meine eigene Haltung bezüglich mancher in mir vergrabener Konflikte zu überprüfen. Vielleicht ist es auch nur meine Aufgabe, Nora und Billy zu segnen, damit sie Frieden finden und einander in ihren Herzen zwischen Himmel und Erde ohne Groll begegnen können.



Donnerstag, 20. Februar 2014

Der Segen meines Großvaters

Diese Erzählung von Rachel Naomi Remen finde ich besonders schön, daher möchte ich sie hier mit euch teilen.

Der Segen meines Großvaters

Wenn ich an den Freitagnachmittagen nach der Schule zu meinem Großvater zu Besuch kam, dann war in der Küche seines Hauses bereits der Tisch zum Teetrinken gedeckt. Mein Großvater hatte seine eigene Art, Tee zu servieren. Es gab bei ihm keine Teetassen, Untertassen oder Schalen mit Zuckerstückchen oder Honig. Er füllte Teegläser direkt aus einem silbernen Samowar. Man musste zuerst einen Teelöffel in das Glas stellen, denn sonst hätte das dünne Glas zerspringen können. Mein Großvater trank seinen Tee auch nicht so, wie es die Eltern meiner Freunde taten. Er nahm immer ein Stück Zucker zwischen die Zähne und trank dann den ungesüßten heißen Tee aus dem Glas. Und ich machte es wie er. Diese Art, Tee zu trinken, gefiel mir viel besser als die Art, auf die ich meinen Tee zu Hause trinken musste. Wenn wir unseren Tee ausgetrunken hatten, stellte mein Großvater stets zwei Kerzen auf den Tisch und zündete sie an. Dann wechselte er auf Hebräisch einige Worte mit Gott. Manchmal sprach er diese Worte laut aus, aber meist schloss er einfach die Augen und schwieg. Dann wusste ich, dass er in seinem Herzen mit Gott sprach. Ich saß da und wartete geduldig, denn ich wusste, jetzt würde gleich der beste Teil der Woche kommen.

Wenn Großvater damit fertig war, mit Gott zu sprechen, dann wandte er sich mir zu und sagte:

,,Komm her, Neshumele." Ich baute mich dann vor ihm auf, und er legte mir sanft die Hände auf den Scheitel. Dann begann er stets, Gott dafür zu danken, dass es mich gab und dass er ihn zum Großvater gemacht hatte. Er sprach dann immer irgendwelche Dinge an, mit denen ich mich im Verlauf der Woche herumgeschlagen hatte, und erzählte Gott etwas Echtes über mich. Jede Woche wartete ich bereits darauf, zu erfahren, was es diesmal sein würde. Wenn ich während der Woche irgendetwas angestellt hatte, dann lobte er meine Ehrlichkeit, darüber die Wahrheit gesagt zu haben. Wenn mir etwas misslungen war, dann brachte er seine Anerkennung darüber zum Ausdruck, wie sehr ich mich bemüht hatte. Wenn ich auch nur kurze Zeit ohne das Licht meiner Nachttischlampe geschlafen hatte, dann pries er meine Tapferkeit, im Dunkeln zu schlafen. Und dann gab er mir seinen Segen und bat die Frauen aus ferner Vergangenheit, die ich aus seinen Geschichten kannte - Sara, Rahel, Rebekka und Lea -, auf mich aufzupassen.

Diese kurzen Momente waren in meiner ganzen Woche die einzige Zeit, in der ich mich völlig sicher und in Frieden fühlte. In meiner Familie von Ärzten und Krankenschwestern rang man unablässig darum, noch mehr zu lernen und noch mehr zu sein. Da gab es offenbar immer noch etwas mehr, das man wissen musste. Es war nie genug. Wenn ich nach einer Klassenarbeit mit einem Ergebnis von 98 von 100 Punkten nach Hause kam, dann fragte mein Vater: ,,Und was ist mit den restlichen zwei Punkten?" Während meiner gesamten Kindheit rannte ich unablässig diesen zwei Punkten hinterher. Aber mein Großvater scherte sich nicht um solche Dinge. Für ihn war mein Dasein allein schon genug. Und wenn ich bei ihm war, dann wusste ich irgendwie, mit absoluter Sicherheit, dass er Recht hatte.

Mein Großvater starb, als ich sieben Jahre alt war. Ich hatte bis dahin nie in einer Welt gelebt, in der es ihn nicht gab, und es war schwer für mich, ohne ihn zu leben. Er hatte mich auf eine Weise angesehen, wie es sonst niemand tat, und er hatte mich bei einem ganz besonderen Namen genannt - "Neshumele", was "geliebte kleine Seele" bedeutet. Jetzt war niemand mehr da, der mich so nannte. Zuerst hatte ich Angst, dass ich, wenn er mich nicht mehr sehen und Gott erzählen würde, wer ich war, einfach verschwinden würde. Aber mit der Zeit begann ich zu begreifen, dass ich auf irgendeine geheimnisvolle Weise gelernt hatte, mich durch seine Augen zu sehen. Und dass einmal gesegnet worden zu sein heißt, für immer gesegnet zu sein.

Viele Jahre später, als meine Mutter im hohen Alter überraschenderweise begann, selbst Kerzen anzuzünden und mit Gott zu sprechen, erzählte ich ihr von diesen Segnungen und was sie mir bedeutet hatten. Da lächelte sie traurig und sagte zu mir: „Ich habe dich an jedem Tag deines Lebens gesegnet, Rachel. Ich habe nur nicht die Weisheit besessen, es laut auszusprechen.“

von Rachel Naomi Remen