Dieser Satz ist mir heute in die Hände gefallen. Und ich habe ausführlich darüber nachgedacht. Warum beschäftigt mich ausgerechnet dieser Satz? Weil er mich daran erinnert, dass unser Leben nicht nur aus den großen Weichenstellungen besteht, sondern aus dem, was wir im Kleinen immer wieder wählen. Das mag auf den ersten Blick bedeutungslos wirken. Doch das ist es nicht. Es sind genau die Momente, in denen wir tagtäglich unzählige Male wählen, wer wir sind.
Grüßen wir die Nachbarin freundlich oder sehen wir sie genauso grimmig an wie sie uns?
Sagen wir der Kassenangestellten im Supermarkt, dass sie uns um zehn Euro zu viel gegeben hat, oder schleichen wir still fort?
Konfrontieren wir Menschen mit unserer unreflektierten persönlichen Meinung, oder erkennen wir sie als das, was sie ist? Nämlich unsere persönliche, unreflektierte Meinung.
Bilden wir uns rasche Urteile, die wir für das Maß aller Dinge halten?
Sprechen oder denken wir abwertend über andere Menschen?
Sind wir bestrebt, alles mit gleicher Münze zurückzuzahlen?
Wie oft behandeln wir jemanden unfreundlich und lieblos, um ihn zu bestrafen?
Wie oft machen wir andere für unseren Ärger, unseren Frust, unsere Enttäuschung verantwortlich, statt ehrlich hinzusehen, was in uns selbst geschieht?
Wie oft vergessen wir, dass eine andere Meinung einen anderen Menschen nicht automatisch zum Feind macht?
Wie oft vergessen wir, dass wir niemanden korrigieren, belehren oder ändern müssen?
Wie oft sagen wir ja statt nein und nein statt ja?
Und da gibt es auch noch diese unzähligen, fatalen Ich-Bin-Sätze, mit denen wir uns selbst und der Welt verkünden, wer wir uns in diesem Augenblick entschieden haben, zu sein.
Ich bin verärgert.
Ich bin gestresst.
Ich bin gekränkt, beleidigt, verletzt ...
Ich bin zu alt, zu arm, zu dumm, zu schwach, ein Opfer der Umstände oder meiner Kindheit, und was auch sonst noch immer.
Ich bin eben so.
Diese Liste ließe sich endlos fortführen. Unzählige Entscheidungen – unzählige Möglichkeiten, zu wählen, wer wir sind.
Freundlich oder unfreundlich, ehrlich oder unehrlich, geduldig oder ungeduldig, liebevoll oder lieblos, vergebend oder nachtragend, verständnisvoll oder verständnislos, gleichgültig oder mitfühlend – alles meine Entscheidungen. Und jede dieser Entscheidungen hält mir einen Spiegel vor, der nicht zeigt, ob ich ein guter oder schlechter Mensch bin, sondern einfach nur, wer ich in diesem Moment entschieden habe zu sein.
Wenn ich darüber nachdenke, erscheint mir genau das als eines der göttlichsten Geschenke, die wir auf unseren Weg mitbekommen haben.
Und vielleicht beginnt genau dort die eigentliche Freiheit: in jedem einzelnen Moment neu zu wählen, wer ich sein möchte.
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