Dienstag, 4. März 2014

Gespräche mit Gott

"Die Wahrheit in Form einer objektiven Realität existiert nicht. 
Die Betrachtungsweise schafft die Wahrnehmung, 
und die Wahrnehmung schafft die Erfahrung. 
Die Erfahrung, die die Wahrnehmung für dich schafft, 
ist das, was du Wahrheit nennst."

Aus dem Buch "Zuhause in Gott" von Neale Donald Walsh



Donnerstag, 27. Februar 2014

Sara und die Eule

In dem wunderbaren, herrlichen Buch "Sara und die Eule" erklärt die weise Eule Salomon der kleinen Sara das Gesetz der Anziehung auf folgende Weise:

"Wenn du etwas siehst, das dir nicht gefällt, und du daraufhin beschließt, woanders hinzugehen, um ihm zu entkommen, nimmst du es für gewöhnlich mit. Du würdest überall ähnliches vorfinden. Sara, erinnere dich an "Gleich und gleich gesellt sich gern". 
Wenn du etwas siehst, das dir nicht gefällt, und du daran denkst und darüber redest, wirst du selbst dazu. Dann ist es ganz gleich, wohin du auch gehen magst, denn es ist immer schon da. 
Wie die meisten Menschen hast auch du gelernt, einfach auf die Umstände zu reagieren. Wenn die Umstände gut sind, reagierst du darauf, indem du dich gut fühlst; aber wenn die Umstände schlecht sind, reagierst du darauf, indem du dich schlecht fühlst.
Die meisten Menschen glauben, dass sie erst perfekte Verhältnisse finden müssen, um glücklich zu sein. Aber das ist äußerst frustrierend, denn sie entdecken schon bald, dass sie die Umstände nicht kontrollieren können.
Sara, du lernst jetzt, dass du nicht hier bist, um perfekte Verhältnisse zu finden. Du bist hier, um dich dafür zu entscheiden, Dinge und Menschen anzuerkennen und ihnen dankbar zu sein. Dadurch wirst du dieselbe Schwingungsebene wie die perfekten Verhältnisse erreichen und diese anziehen."



Dieses Buch ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher und entsprechend oft habe ich es schon gelesen. Ich glaube, man kann es gar nicht oft genug lesen, um sich von Salomon daran erinnern zu lassen, wie leicht und schön das Leben sein kann.

Montag, 24. Februar 2014

Gespräche mit Gott


Du bist derjenige, 
der in jedem gegebenen Moment wählt, 
glücklich zu sein. 
Oder wählt, traurig zu sein. 
Oder wählt, zornig oder besänftigt 
oder verzeihend oder erleuchtet 
oder was immer zu sein. 
Du triffst die Wahl. Du.

Neale Donald Walsch in „Freundschaft mit Gott“




Donnerstag, 20. Februar 2014

Der Segen meines Großvaters

Diese Erzählung von Rachel Naomi Remen finde ich besonders schön, daher möchte ich sie hier mit euch teilen.

Der Segen meines Großvaters

Wenn ich an den Freitagnachmittagen nach der Schule zu meinem Großvater zu Besuch kam, dann war in der Küche seines Hauses bereits der Tisch zum Teetrinken gedeckt. Mein Großvater hatte seine eigene Art, Tee zu servieren. Es gab bei ihm keine Teetassen, Untertassen oder Schalen mit Zuckerstückchen oder Honig. Er füllte Teegläser direkt aus einem silbernen Samowar. Man musste zuerst einen Teelöffel in das Glas stellen, denn sonst hätte das dünne Glas zerspringen können. Mein Großvater trank seinen Tee auch nicht so, wie es die Eltern meiner Freunde taten. Er nahm immer ein Stück Zucker zwischen die Zähne und trank dann den ungesüßten heißen Tee aus dem Glas. Und ich machte es wie er. Diese Art, Tee zu trinken, gefiel mir viel besser als die Art, auf die ich meinen Tee zu Hause trinken musste. Wenn wir unseren Tee ausgetrunken hatten, stellte mein Großvater stets zwei Kerzen auf den Tisch und zündete sie an. Dann wechselte er auf Hebräisch einige Worte mit Gott. Manchmal sprach er diese Worte laut aus, aber meist schloss er einfach die Augen und schwieg. Dann wusste ich, dass er in seinem Herzen mit Gott sprach. Ich saß da und wartete geduldig, denn ich wusste, jetzt würde gleich der beste Teil der Woche kommen.

Wenn Großvater damit fertig war, mit Gott zu sprechen, dann wandte er sich mir zu und sagte:

,,Komm her, Neshumele." Ich baute mich dann vor ihm auf, und er legte mir sanft die Hände auf den Scheitel. Dann begann er stets, Gott dafür zu danken, dass es mich gab und dass er ihn zum Großvater gemacht hatte. Er sprach dann immer irgendwelche Dinge an, mit denen ich mich im Verlauf der Woche herumgeschlagen hatte, und erzählte Gott etwas Echtes über mich. Jede Woche wartete ich bereits darauf, zu erfahren, was es diesmal sein würde. Wenn ich während der Woche irgendetwas angestellt hatte, dann lobte er meine Ehrlichkeit, darüber die Wahrheit gesagt zu haben. Wenn mir etwas misslungen war, dann brachte er seine Anerkennung darüber zum Ausdruck, wie sehr ich mich bemüht hatte. Wenn ich auch nur kurze Zeit ohne das Licht meiner Nachttischlampe geschlafen hatte, dann pries er meine Tapferkeit, im Dunkeln zu schlafen. Und dann gab er mir seinen Segen und bat die Frauen aus ferner Vergangenheit, die ich aus seinen Geschichten kannte - Sara, Rahel, Rebekka und Lea -, auf mich aufzupassen.

Diese kurzen Momente waren in meiner ganzen Woche die einzige Zeit, in der ich mich völlig sicher und in Frieden fühlte. In meiner Familie von Ärzten und Krankenschwestern rang man unablässig darum, noch mehr zu lernen und noch mehr zu sein. Da gab es offenbar immer noch etwas mehr, das man wissen musste. Es war nie genug. Wenn ich nach einer Klassenarbeit mit einem Ergebnis von 98 von 100 Punkten nach Hause kam, dann fragte mein Vater: ,,Und was ist mit den restlichen zwei Punkten?" Während meiner gesamten Kindheit rannte ich unablässig diesen zwei Punkten hinterher. Aber mein Großvater scherte sich nicht um solche Dinge. Für ihn war mein Dasein allein schon genug. Und wenn ich bei ihm war, dann wusste ich irgendwie, mit absoluter Sicherheit, dass er Recht hatte.

Mein Großvater starb, als ich sieben Jahre alt war. Ich hatte bis dahin nie in einer Welt gelebt, in der es ihn nicht gab, und es war schwer für mich, ohne ihn zu leben. Er hatte mich auf eine Weise angesehen, wie es sonst niemand tat, und er hatte mich bei einem ganz besonderen Namen genannt - "Neshumele", was "geliebte kleine Seele" bedeutet. Jetzt war niemand mehr da, der mich so nannte. Zuerst hatte ich Angst, dass ich, wenn er mich nicht mehr sehen und Gott erzählen würde, wer ich war, einfach verschwinden würde. Aber mit der Zeit begann ich zu begreifen, dass ich auf irgendeine geheimnisvolle Weise gelernt hatte, mich durch seine Augen zu sehen. Und dass einmal gesegnet worden zu sein heißt, für immer gesegnet zu sein.

Viele Jahre später, als meine Mutter im hohen Alter überraschenderweise begann, selbst Kerzen anzuzünden und mit Gott zu sprechen, erzählte ich ihr von diesen Segnungen und was sie mir bedeutet hatten. Da lächelte sie traurig und sagte zu mir: „Ich habe dich an jedem Tag deines Lebens gesegnet, Rachel. Ich habe nur nicht die Weisheit besessen, es laut auszusprechen.“

von Rachel Naomi Remen


 

Mittwoch, 19. Februar 2014

Die Schuldigen und die Opfer

Schuld ist eine Illusion.

Eine Vorstellung, die wir erschaffen haben, um Kontrolle auszuüben – über andere, über Situationen, manchmal sogar über uns selbst.
Jemandem die Schuld zuzuweisen heißt: ihn herabzusetzen, ihn für minderwertig zu erklären – und ihm dieses Gefühl unmissverständlich zu vermitteln.

Denn er ist ja schuld daran, dass wir uns schlecht fühlen.
Dass wir uns ärgern, verletzt, traurig oder wütend sind.
Oder etwa nicht?

Doch in Wahrheit liegt jeder Schuldvorwurf einem einzigen Gedanken zugrunde:
„Du hast meine Erwartungen nicht erfüllt.“

Wer einem anderen die Schuld zuschiebt, weist zugleich jede Eigenverantwortung von sich.
Denn die eigenen Gefühle – so glaubt man dann – hängen nicht vom eigenen Inneren ab, sondern davon, wie der andere sich verhält.
Doch wer bereit ist, die Verantwortung für sein Erleben zu übernehmen, der muss niemandem mehr die Schuld geben.

Schuldzuweisungen sind selten laut.
Sie schleichen sich oft als harmlose Sätze in unsere Gespräche – getarnt als Enttäuschung, Bedauern oder emotionaler Appell:

„Schade, ich hatte mich so darauf gefreut.“
„Das hätte ich nie von dir erwartet.“
„Ich fühle mich hier einfach nicht wohl – wegen dir.“
„Nur wenn du glücklich bist, bin ich es auch.“
„Du machst mich krank.“
„Ich bin sehr enttäuscht von dir.“
„Wenn du ein echter Freund wärst, würdest du das für mich tun.“
„Wenn ich mal jemanden brauche, ist keiner da.“

Was all diese Sätze gemeinsam haben:
Sie machen den anderen zum Schuldigen –
und uns selbst zum Opfer.

So geben wir unsere Kraft aus der Hand.
Wir machen unser Glück abhängig von jemand anderem – und verlieren uns im Spiel von Erwartung und Enttäuschung.
Doch Schuldgefühle auf der einen und Hilflosigkeit auf der anderen Seite
sind kein guter Boden für ein freies, selbstbestimmtes Leben.

Frieden beginnt dort,
wo wir aufhören, Schuld zu vergeben –
und stattdessen Verantwortung annehmen

 



Dienstag, 18. Februar 2014

Gespräche mit Gott

Du bestimmst, was etwas bedeutet! 
Solange du nicht entscheidest, was etwas bedeutet, 
hat es überhaupt keine Bedeutung. 
Denk daran. Nichts bedeutet irgendetwas. 
Deinem Seinszustand entspringt die Bedeutung.

Neale Donald Walsch „Freundschaft mit Gott“




Montag, 17. Februar 2014

Dankbarkeit ...

Dankbarkeit ist nichts, was einer vom anderen fordern könnte.
Dankbarkeit ist auch nichts, was wir aus Pflichtgefühl heraus empfinden könnten.
Dankbarkeit ist eine Lebenshaltung, die imstande ist, unser Leben von Grund auf umzukrempeln. 

Sich für die Dankbarkeit zu entscheiden bedeutet, die Aufmerksamkeit mehr und mehr auf das Gelungene, das Schöne, das Fantastische in unserem Leben zu richten, und uns jede Minute des Lebens darüber zu freuen. 

Und je mehr das zu unserer inneren Einstellung wird, desto gelungener, schöner, fantastischer wird unser Leben sein. Ganz einfach deshalb, weil das Unterbewusstsein funktioniert wie ein junger Hund.
Wenn ein junger Hund dir einen Ball bringt, und du bedankst dich überschwänglich und freust dich, wird er sofort beginnen, dir alle Bälle zu bringen, die er auftreiben kann. 

Genauso ist es mit dem Leben und der Dankbarkeit. 
Einfach, nicht wahr?




Sonntag, 16. Februar 2014

Die Welt ist so, wie du sie siehst

Ein alter Mann saß vor den Toren einer Stadt. Alle Menschen, die in die Stadt gingen, kamen an ihm vorbei. Ein Fremder blieb stehen und fragte den alten Mann:
„Du kannst mir sicher sagen, wie die Menschen in dieser Stadt sind?“

Der Alte sah ihn freundlich an: „Wie waren sie dort, wo du zuletzt warst?“
„Freundlich, hilfsbereit und großzügig. Sehr angenehme Menschen.“, antwortete der Fremde.
„Genau so sind sie in dieser Stadt!“ 

Das freute den Fremden und mit einem Lächeln ging er durch das Tor. Später kam ein anderer Fremder zum alten Mann. „Sag mir Alter, wie sind die Menschen in dieser Stadt?“ Der Alte fragte auch ihn: „Wie waren sie dort, wo du zuletzt warst?“ „Furchtbar! Unfreundlich und arrogant.“ Der alte Mann antwortete: „Ich fürchte, so sind sie auch in dieser Stadt!“

Verfasser unbekannt




Mittwoch, 12. Juni 2013

Lebe glücklich, lebe froh...

Als meine Schwester, meine Kusinen und ich klein waren, hat uns unsere Oma bei jedem Kummer, bei jedem Schmerz, den wir hatten, einen Spruch aufgesagt, der sich mir bis heute eingeprägt hat.


"Lebe glücklich, lebe froh,
wie die Maus im Haferstroh!"


Das mag zwar vielleicht auf den ersten Blick nicht wie der weiseste aller Sprüche klingen. Aber auf uns hat er seine Wirkung nie verfehlt. Er hat uns immer zum Lachen gebracht.
Was wir damals nicht verstanden haben, das war die Aussage, die ich heute wahrnehme, nämlich dass wir in jedem Augenblick, in dem wir nicht leben wie die Maus im Haferstroh, nicht im Hier und Jetzt sind.

Meine Oma

Samstag, 27. April 2013

Im Licht der Dankbarkeit

Schließe deine Augen
und komme ganz bei dir an.
Atme ruhig und gleichmäßig…
spüre, wie dein Atem dich trägt…
wie mit jedem Ausatmen
Anspannung weicht.
Sorge dafür, dass du bequem liegst.
Dein Körper darf loslassen…
dein Geist darf still werden.
Mit jedem Atemzug sinkst du tiefer in die Entspannung.
Du atmest aus,
was du nicht mehr brauchst:
Belastendes…
Gedanken, die dich ablenken…
Gefühle, die dir nicht guttun.
Was bleibt, ist ein weiter Raum –
erfüllt von Frieden,
von Freude
und von stiller Dankbarkeit.

Ich bin dankbar –
für jeden einzelnen Tag meines Lebens.
Für das Licht, das mich umgibt
und meinen Weg erhellt.
Für Erfahrungen, die mich wachsen lassen
und meine innere Entwicklung fördern.
Für Erfolge, die mein Vertrauen in mich selbst stärken –
und für die Misserfolge,
aus denen ich Demut und Einsicht schöpfe.
Für den Sieg, der mich vorwärts trägt,
und die Niederlage,
die mich aufrecht bleiben lässt.
Für die Kraft,
nach Momenten der Mutlosigkeit wieder aufzustehen
und „Ja“ zu sagen zum Leben.
Für meine Sinne,
mit denen ich die Welt in all ihrer Schönheit erfahre…

Ich bin dankbar –
für Gespräche, die mein Herz berühren
und meine Sicht auf die Welt erweitern.
Für die Einsicht,
dass ich mir selbst immer wieder neu begegnen darf.
Für Liebe und Zuneigung,
die mir täglich auf leise oder deutliche Weise geschenkt werden.
Für Empathie und Verstehen –
und dafür, dass das Leben mich lehrt,
beides immer wieder neu zu üben.
Für das Verständnis, das mir entgegengebracht wird,
und für das tiefe Gefühl von Geborgenheit und Vertrauen.
Für Lachen, das befreit –
und Fröhlichkeit, die mich durchströmt.
Für Gemeinschaft, die trägt,
und Einsamkeit,
in der ich meiner eigenen Tiefe begegne.
Für meine Fähigkeit, zu staunen,
und für die Begeisterung,
die mein Innerstes zum Leuchten bringt.
Für die verschwenderische Fülle der Natur –
für ihren Überfluss und ihre unerschöpfliche Großzügigkeit.

Ich bin dankbar –
für die junge, ungestüme Kraft des Frühlings,
wenn das Leben in Knospen und Keimen erwacht
und dem Licht entgegenstrebt.
Für das goldene Strahlen der Sommertage,
die Fülle und Wärme in alles bringen.
Für die reife Farbenpracht des Herbstes,
in der das Loslassen ein stilles Fest wird.
Für die dämmrige Ruhe des Winters,
die mich nach innen führt und mich lehrt, still zu werden.

Ich danke für die Zeit der Geselligkeit,
in der ich mich verbunden fühle,
und für die Zeit des Rückzugs,
in der ich zu mir selbst finde.

Für die Kraft der Stabilität,
die mir Sicherheit schenkt,
und für den Wandel,
der mein Herz für neue Wege öffnet.

Ich bin dankbar –
für Ruhe, die mich sammelt,
und für Stille, die mich heilt.
Für den Sturm, der mich prüft,
und das Glück, das leise kommt.
Für all das – und noch so viel mehr –
möchte ich von Herzen danken.

Ich danke jedem Menschen,
der mich ein Stück meines Weges begleitet –
mit Worten, mit Schweigen, mit seinem Sein.

Ich danke meinen Eltern,
für ihre schützende Fürsorge,
für ihre Begleitung auf meinen ersten Schritten durchs Leben.

Ich danke meiner Familie,
deren Arme offen sind,
wenn ich Heimat brauche.

Ich danke meinen Freunden,
die mein Leben mit Licht und Lachen füllen,
und selbst jenen, die mir unbequem sind –
denn sie lehren mich Geduld, Mitgefühl und Vergebung.

Ich danke allen,
die mir ihr Vertrauen schenken,
die mich trösten, wenn ich falle,
und mit mir das Leben feiern, wenn es tanzt.

Ich bin dankbar für den Frieden in meinem Land,
für die Freiheit, in der ich denken, glauben, sprechen, wachsen darf.

Ich bin dankbar für meinen Körper –
für seine Kraft, seine Sprache, seine Fähigkeit, sich zu erneuern.

Ich bin dankbar, auf dieser Erde zu leben –
inmitten all ihrer Schönheit,
ihrer Vielfalt, ihrer unerschöpflichen Gaben.

Ich danke für Nahrung,
für ein Dach über dem Kopf,
für Wärme, Wasser und Licht.

Ich bin dankbar für die Fähigkeit,
mitzufühlen, freundlich zu sein und tolerant zu bleiben.

Ich danke für Sonnenschein und Regen –
beide schenken Wachstum.

Ich danke für die Freiheit,
in jedem Moment neu zu wählen.

Für jeden Morgen, an dem ich erwache,
für jede Entscheidung, die ich treffen darf,
für all die Möglichkeiten,
die sich mir immer wieder zeigen.

Für jeden stillen, lebendigen Augenblick meines Seins –
danke ich aus tiefstem Herzen.

Ich danke allen Wesen,
die mir Licht auf meinem Weg schenken –
durch Liebe, durch Weisheit, durch ihr einfaches Dasein.

Möge dieses Leben auf Erden
frei sein von Angst,
frei von Hass und Feindschaft.

Mögen alle Wesen glücklich sein –
die großen und die kleinen,
die starken und die verletzlichen,
die sichtbaren und die verborgenen,
die geborenen und die noch ungeborenen.

Mögen ihre Herzen erfüllt sein von Freude,
von Frieden, von Liebe.

Dafür danke ich –
still, ehrfürchtig und aus ganzem Herzen.

 

(aus dem Buch "Fügel der Fantasie")




Mittwoch, 17. April 2013

In der Fülle leben ist keine Hexerei

Vielleicht ist es nicht die Welt, die sich ändern muss.

Vielleicht reicht es, wenn wir beginnen, unsere Geschichte neu zu erzählen.

Oft halten wir an Überzeugungen fest, die wir für unumstößliche Wahrheiten halten – weil sie unserer bisherigen Erfahrung entsprechen. Doch gerade dadurch erschaffen wir immer wieder dieselbe Realität.
Wenn wir aber beginnen, unsere Gedanken zu verändern, beginnt sich auch unser Leben zu wandeln.

Eine wunderbare Übung dazu stammt aus dem Buch „The Law of Attraction – Geld“ von Esther und Jerry Hicks. Darin spricht Abraham über den Zugang zur Fülle unseres Lebens:

„Wenn wir dir aus unserer Sicht die Natur der Fülle deines Universums erklären und die potenzielle Fülle, die dir immer zur Verfügung steht, ist uns klar:
Unser Wissen wird nicht automatisch zu deinem – nur weil du unsere Worte liest.
Selbst wenn du versuchst, zu vertrauen oder zu verstehen, wirst du es nicht einfach übernehmen können.
Denn wahres Wissen entsteht durch eigene Erfahrung.

Deine Überzeugungen, gewachsen aus deinen bisherigen Erfahrungen, sind stark. Und wir verstehen, dass du sie nicht einfach über Bord werfen und durch neue ersetzen kannst – selbst wenn wir wissen, dass es viele kraftvolle, unterstützende Gedanken gäbe, die dir dienen könnten.

Aber es gibt etwas, womit du heute beginnen kannst – etwas, das dein Leben verändern wird, ohne dass du gleich alles glauben musst:

Erzähl eine neue Geschichte.
Eine, die sich besser anfühlt.

Schreib sie nicht wie einen nüchternen Tatsachenbericht, der das Für und Wider deiner bisherigen Realität abwägt.
Sondern erzähle die erhebende, fantasievolle, märchenhafte Geschichte vom Wunder deines eigenen Lebens – und sieh zu, was geschieht.

Es wird sich anfühlen wie Magie.
Aber es ist keine Hexerei.
Es ist das Gesetz des Universums – und deine bewusste Entscheidung, dich mit ihm in Einklang zu bringen.“

Und vielleicht wirst auch du irgendwann sagen können:
Ich habe meine Geschichte neu erzählt – und mein Leben hat zu leuchten begonnen.



Sonntag, 14. April 2013

Dankbarkeit als Lebenseinstellung

Manche Dinge sind leise.

So leise, dass man sie erst hört,
wenn man selbst still wird.
Dankbarkeit ist so etwas.

Sie drängt sich nicht auf,
sie schreit nicht nach Aufmerksamkeit.
Und doch verändert sie alles,
wenn man ihr Raum gibt.

In einer Welt, die oft laut ist,
und in der Mangel mehr Beachtung findet als Fülle,
ist Dankbarkeit wie ein stiller, goldener Faden,
der unser Leben zusammenhält –
auch dann, wenn wir es gar nicht merken.

Und genau darum geht es in diesem Text.
Um eine Haltung.
Eine Rückkehr.
Ein Erkennen.
Vielleicht auch um ein kleines Staunen.

Eine französische Schriftstellerin – ich glaube, es war Sidonie-Gabrielle Colette – soll einmal gesagt haben: „Wie wundervoll mein Leben doch gewesen ist – ich wünschte nur, ich hätte es früher bemerkt.“

Dankbarkeit.
Dankbar zu sein für all das, was da ist, was unser Leben bereichert –
wie leicht ist das eigentlich?
Oder wie schwer?

Warum fällt es uns manchmal so schwer, einfach nur dankbar zu sein?

Dankbarkeit ist leider nichts, was wir als Kinder wirklich lernen.
Was wir lernen, ist die erzwungene Dankbarkeit:
„Nun sag doch danke!“
„Ich tu alles für dich – und du bist nur undankbar!“
„Wir rackern uns ab, damit es dir einmal besser geht!“
„Andere Kinder wären froh, wenn sie das hätten!“

Diese Form von müssen, die uns oft früh begegnet,
hat vielen die Freude an der Dankbarkeit verdorben.
Sie hat sie zu einer Pflicht gemacht.
Zu einer Reaktion auf Schuld.
Und so kommt es, dass wir die Geschenke,
die uns das Leben täglich vor die Füße legt,
manchmal gar nicht mehr erkennen.

Und doch:
Es gibt sie.
Auch in meinem Leben. Auch in deinem.

Diese sonnigen Augenblicke –
Momente der Freude, der Lebendigkeit, des Staunens.
Sie ziehen wie ein goldener Faden durch unsere Tage.
Und wenn wir beginnen, diesen Faden wieder wahrzunehmen,
dann ist das echte Dankbarkeit.
Nicht auferlegt,
sondern aus dem Herzen geboren.

Dankbarkeit ist ein kraftvolles Gefühl.
Ein Gefühl, das nicht an äußere Umstände gebunden ist,
sondern tief im Inneren wurzelt.
Sie bringt Frieden,
Zufriedenheit,
und eine stille Freude,
die selbst Gedanken des Mangels verwandelt –
in Zuversicht, Vertrauen,
und manchmal sogar in Wunder.

Den Tag mit Dankbarkeit zu beginnen –
ein leises Danke für das Leben,
für seine Möglichkeiten,
seine Gaben, seine Wege –
verändert alles.

Denn wenn du deine Sichtweise veränderst,
verändert sich dein Leben.

Ich erinnere mich an eine Geschichte aus meiner Kindheit –
„Mann und Frau im Essigkrug“ von Ludwig Bechstein.
Meine Mutter hat sie mir erzählt.
Ein Mann und eine Frau lebten in einem Essigkrug.
Ein goldenes Vögelchen beschenkte sie:
zuerst mit einem kleinen Haus,
dann mit einem Bauernhof,
schließlich mit einem Stadthaus, einem Schloss,
und zuletzt mit einem Königreich.

Doch sie konnten keine Dankbarkeit empfinden.
Nie war es genug.
Und so endete ihre Reise –
genau dort, wo sie begonnen hatte:
im Essigkrug.

Es wäre doch traurig,
erst am letzten Tag des Lebens zu bemerken,
wie schön es war.

Vielleicht ist genau heute der Tag,
an dem wir es bemerken dürfen.
Und einfach sagen:
Danke.

Dankbarkeit ist kein Ziel, das man erreichen muss.
Sie ist eine Art zu gehen.
Eine Art zu schauen.
Eine Art zu leben.

Sie braucht keine perfekten Umstände –
nur ein waches Herz.

Und vielleicht genügt manchmal schon
ein leiser Blick in den Himmel,
ein zärtlicher Gedanke an einen geliebten Menschen,
oder der stille Satz:
„Wie wundervoll mein Leben doch ist – ich bin so dankbar, dass ich es erkenne.“

 



Verantwortung für das eigene Leben

Nicht immer gestaltet sich unser Leben so, wie wir es uns wünschen. Und oft suchen wir die Gründe dafür im Außen – bei anderen Menschen, den Umständen, unserer Vergangenheit oder gar unseren Genen.
Zwar tragen wir die Verantwortung für unser Leben – doch nicht immer auch für unser Erschaffen.

Verantwortung zu übernehmen bedeutet, die Veranwortung für alles zu übernehmen, das in unserem Leben geschieht.

Aber wie, bitte schön, sollen wir Verantwortung übernehmen für den Nachbarn, der uns das Leben zur Hölle macht?
Es kann doch der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt – oder etwa doch?

Wie sollen wir Verantwortung übernehmen für die Arbeitslosigkeit im Land? Für unfähige Politiker?
Für eine miserable Beziehung, an der – wie jeder sehen kann – doch ganz eindeutig der Partner schuld ist?
Er ist doch fremdgegangen. Er betrinkt sich. Oder was auch immer.

Und unsere miese Kindheit? Dafür können wir doch wirklich nichts. Wir haben uns unsere Eltern schließlich nicht ausgesucht.

Wir suchen die Gründe für unser Unglücklichsein oft überall – nur nicht in uns selbst.
Dabei mag es noch so sehr den Anschein haben, dass all die belastenden Dinge im Außen geschehen und wir lediglich die hilflosen Opfer sind – doch sie geschehen in unserem Leben.
Und weil sie Teil unseres Lebens sind, sind sie auch Teil von uns.
Nur wenn wir bereit sind, die volle Verantwortung dafür zu übernehmen, können wir etwas verändern.
Denn wenn wirklich jemand anders schuld wäre – wie könnten wir dann jemals etwas wandeln?

Es kann uns niemand „unglücklich machen“. Und niemand kann uns Schmerz zufügen – außer, wir tragen den Schmerz bereits in uns. Andere können allenfalls einen Finger auf eine Wunde legen, die ohnehin schon da ist.

Wenn wir mit einem Thema keine innere Resonanz haben, berührt es uns nicht. Um uns abgelehnt zu fühlen, müssen wir das Gefühl des Abgelehntseins bereits kennen und in uns tragen.

Der „böse Nachbar“ etwa könnte uns gar nicht aufregen, wenn sein Geschimpfe nicht einen wunden Punkt in uns berühren würde. Nicht das, was er sagt, verletzt uns – sondern das, was wir darüber denken.
Unser eigenes Denken, unser Urteilen ist es, das uns das Gefühl von Unglück beschert.

Somit bedeutet, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, die Verantwortung für das eigene Denken zu übernehmen.

Und genau hier möchte ich nun ansetzen.
Nicht mit Vorwürfen. Nicht mit Schuld. Sondern mit Achtsamkeit.
Mit einem liebevollen Blick auf das, was in uns wirkt – und was wir daraus machen.
Step by step. In aller Ruhe. Und mit dem Mut, uns selbst wirklich zu begegnen.




Mittwoch, 28. November 2012

Weisheit aus China

Solange du dem anderen sein Anderssein 
nicht verzeihen kannst, 
bist du noch weit ab vom Weg der Weisheit!


Mittwoch, 1. August 2012

Die Steckbuchstaben

Sie saß in einem eleganten grauen Seidenkleid neben ihm im Landrover, ein schwungvoller Hut derselben Farbe zierte ihr Haupt. Janosch warf ihr mehrfach verstohlene Blicke zu, öffnete den Mund, um ein Gespräch zu beginnen – und schloss ihn wieder. Ihre distanzierte Vornehmheit schüchterte ihn ein. Und so schwieg er.

Er war in diesem Dorf geboren, aufgewachsen zwischen Kühen, Schafen und Pferden, umgeben von bodenständigen Frauen mit festen Händen und herzlichem Lachen. Doch dieses zarte, graue Geschöpf auf dem Beifahrersitz – es wirkte auf ihn wie eine verlorengegangene Flaumfeder.

Wie alt mochte sie sein? Sechzig? Oder schon siebzig?
Er sah sie unsicher an.
Sie bemerkte seinen Blick – und schenkte ihm ein gnädiges Lächeln.

Endlich wagte er es, das Gespräch zu beginnen.
„Es ist heiß heute“, murmelte er, „und der Weg von der Bahnstation ins Dorf ist weit.“

Sie nickte zustimmend. „Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie mich abgeholt haben. Der Weg zu Fuß hätte mir Mühe bereitet.“

Janosch wusste nicht recht, was er darauf sagen sollte – doch das war auch nicht nötig. Denn sie sprach gleich weiter, ohne Pause:

„Sie müssen wissen, zweimal im Jahr mache ich eine Reise. Im Frühling fahre ich in die Berge, und im Herbst verbringe ich meinen Urlaub auf einem Bauernhof. Das ist mir zu einer lieben Gewohnheit geworden. Zu Hause führe ich ein sehr einfaches Leben – seit Oskar tot ist.“

Janosch nickte verständnisvoll. Was ein einfaches Leben bedeutete, das wusste er nur zu gut.

„Oberregierungsrat Oskar Zimmermann war mein Mann“, erzählte sie weiter.
„Ich nannte ihn Herzi – eine persönliche Abkürzung für Herr Zimmermann.“

Janosch verstand den Zusammenhang nicht ganz, beschloss aber, es auf alle Fälle gut zu finden.

„Er starb vor acht Jahren“, fügte sie hinzu – und schwieg.

Janosch schwieg auch. Sie sah ihn auffordernd an. So öffnete er den Mund, um etwas zu sagen, doch es fiel ihm nichts ein.
Ein Beileid nach acht Jahren auszusprechen, erschien ihm irgendwie lächerlich.

Also wartete er – aber sie schwieg beharrlich weiter.

Unruhe stieg in ihm auf. Nervosität. Schließlich murmelte er rasch und undeutlich:
„Mein Beileid.“

„Danke“, erwiderte sie hoheitsvoll – und fuhr fort.

„Er war ein guter Mann, mein Oskar. Es gibt so viele schlechte Menschen auf dieser Welt – aber ausgerechnet mein Oskar musste sterben.“

Sie sah Janosch an, als trage er Mitschuld, und er zog instinktiv den Kopf ein.

„Es sterben immer die Guten“, sagte sie langsam, mit Nachdruck. „Das hat mein Oskar nicht verdient.“

„Die Schlechten sterben auch“, wagte Janosch leise einzuwenden, doch sie überhörte ihn konsequent.

Ein kurzer, missbilligender Blick – dann sprach sie weiter:

„Mein Oskar war ein gebildeter Mann. Schließlich war er Oberregierungsrat. Das stand auch auf dem Türschild seines Arbeitszimmers im Ministerium – kleine weiße Steckbuchstaben auf schwarzem Grund.“

Sie lächelte versonnen bei der Erinnerung.

„Ja“, fuhr sie fort, „doch dann kam dieser unheilvolle Tag. Die Wirtschaft stagnierte seit geraumer Zeit – überall wurde gespart. Sogar bei den Steckbuchstaben im Ministerium.

Eines Morgens wurden sämtliche überflüssigen Buchstaben abmontiert und eingesammelt.

Und plötzlich stand an Oskars Tür nur noch sein Name – in nüchternen Großbuchstaben: OSKAR ZIMMERMANN. Das hat ihm das Herz gebrochen.“

In Janoschs Kopf arbeitete es. Er konnte die Tragweite dieser Veränderung wirklich nicht begreifen.

An seiner eigenen Haustür stand überhaupt kein Name – die Vorstellung, dort weiße Steckbuchstaben anzubringen, schien ihm absurd - ja geradezu lächerlich.

JANOSCH DAMPFHOFER – in Großbuchstaben! Seine Frau Theres hätte ihn wohl für narrisch erklärt.

Die graue Flaumfeder-Frau sah ihn an und seufzte leise.

„Er hatte so wenig Freude im Leben. Nur seine Arbeit, unseren Rehpinscher Kaiser Wilhelm – und mich. Und dann waren da noch seine Steckbuchstaben.“

Sie hielt kurz inne.

„An jenem Morgen kam er wie immer pünktlich ins Ministerium. Doch auf dem Schild an seiner Bürotür stand plötzlich nur noch sein Name. Die Buchstaben für Oberregierungsrat – einfach abmontiert. Er stand da. Lange. Starrte das Schild an, als wollte er es mit seinem Blick wieder ganz machen. Dann liefen ihm Tränen übers Gesicht.“

Janosch spürte, wie ihn das Bild traf – nicht wegen der Buchstaben, sondern wegen der Tränen.

„Er drehte sich um und ging nach Hause. Und von da an, Janosch – von da an ging es mit ihm bergab. Er ging zwar weiter ins Ministerium, Tag für Tag, pflichtbewusst wie immer. Aber er war nicht mehr derselbe.“

Janosch hätte gerne etwas gesagt. Aber er wusste beim besten Willen nicht, was.

„Ich kochte ihm täglich sein Lieblingsessen. Ich lud seine alten Freunde ein, veranstaltete kleine Feste – sogar einen guten Psychotherapeuten suchte ich ihm.

Ich bastelte Transparente, mit denen er vor dem Ministerium demonstrieren konnte. Gegen die willkürliche Entfernung der Steckbuchstaben,

Und ich kaufte ihm ein kleines Schild für unsere Schlafzimmertür – mit neuen Buchstaben: OBERREGIERUNGSRAT OSKAR ZIMMERMANN.

Aber nichts davon konnte ihn wirklich trösten.“

Sie blickte aus dem Fenster, als suchte sie dort seine verlorene Würde.

„Ach, ich hätte mein Leben gegeben, wenn ich ihm dadurch sein Schild im Ministerium wiedergeben hätte können.“

Ihre Stimme wurde weicher.

„Als ich ihm das sagte, sah er mich mit Tränen in den Augen an: ‚Das würdest du für mich tun, Adele? Das würdest du wirklich für mich tun? Eine größere Freude könntest du mir nicht machen…‘

Ja, so war er, mein Oskar. So leicht zu erfreuen.

Wie ein Kind.“

Janosch kratzte sich am Kopf. In seinem Inneren wirbelten die Worte der Dame durcheinander – er versuchte, das Gehörte zu ordnen, doch es wollte sich einfach nicht fügen.

„Irgendwann hörte er auf, zur Arbeit zu gehen“, fuhr sie fort. „Stattdessen machte er lange, einsame Spaziergänge mit Kaiser Wilhelm. Viele Stunden am Tag.“
Sie seufzte leise.
„Kaiser Wilhelm war ein kleiner, zarter Hund – ein Rehpinscher mit schwacher Lunge. Die Strapazen dieser Wanderungen waren zu viel für ihn. Er starb an Erschöpfung. Und Oskar wurde noch ein wenig stiller. Von da an ging er allein.“

Janosch schüttelte ungläubig den Kopf. „Und das alles  wegen dieser Steckbuchstaben?“

Die graue Dame nickte langsam. „Adele…“, hatte er oft gesagt, „…mein ganzes Leben habe ich dem Ministerium gewidmet. Dem Staat treu gedient. In Ehren Oberregierungsrat geworden. Und nun bin ich ihnen nicht einmal mehr ein paar Buchstaben wert.“

„Eine Affenschande ist das“, murmelte Janosch. Er schüttelte erneut den Kopf – weniger aus Empörung als aus Verwirrung. Denn wirklich begriffen hatte er es immer noch nicht.

„Und eines Tages starb er dann“, fuhr sie fort. „Ganz still. Ohne Aufsehen. Er legte sich einfach hin – und starb.“

Sie machte eine Pause. „Und schuld war das Ministerium.“
Ihr Blick wurde nachdenklich. „Als ich dann um eine Entschädigung ersuchte – für den frühen Tod meines Oskars – wies man mich brüsk ab. Niemand wollte etwas davon wissen, dass man ihn mit dem Entzug seiner Steckbuchstaben langsam und unaufhaltsam in den Tod getrieben hatte.“
Ein tiefer Seufzer entrang sich ihrer Brust.

„Er ist wirklich wegen dieser Steckbuchstaben gestorben?“ Janosch starrte sie fassungslos an. Fast wäre er dabei in den Graben gefahren.
„Ja“, erwiderte sie mit Nachdruck. „Er hatte eben Prinzipien!“
Mit ernster Miene nickte sie mehrmals. „Und auf seinem Grabstein – ganz in Goldbuchstaben – steht nun:
OBERREGIERUNGSRAT OSKAR ZIMMERMANN.“

„Die kann ihm nun ja wohl keiner mehr wegnehmen“, murmelte Janosch mitfühlend. Ihm war diese ganze Buchstabengeschichte zwar immer noch nicht verständlich, aber langsam in seinem Hinterkopf begann er zu begreifen, wie einsam ein Mensch sein musste, dessen Lebensinhalt das Ministerium, diese graue Frau, der Rehpinscher Kaiser Wilhelm – und diese Steckbuchstaben waren.

Er dachte an seine eigene Welt – an all die Mühen, die ihn oft zermürbten, an Theres, seine Frau, deren Durchsetzungsvermögen er schon seit ihrer gemeinsamen Schulzeit fürchtete, die aber auf ihre ruppige Weise zu ihm gehörte wie der Stall zum Hof.
Er dachte an seine Kinder, seine Freunde, an all die Menschen, die sein Leben belebten, herausforderten, nervten – und beschenkten.

Und plötzlich stieg etwas in ihm auf, das er lange nicht mehr gespürt hatte: Dankbarkeit.
Dankbarkeit dafür, dass sein Leben niemals  an ein paar nicht vorhandenen „Steckbuchstaben“ scheitern würde.  Und Dankbarkeit für jedes Problem, das er lösen konnte, ohne sich dafür hinlegen und sterben zu müssen.

Er wandte den Blick von der Straße kurz zu der Frau neben sich.
Er sah ihre gepflegte Blässe, ihren Hut, ihre verblichene Würde –
und dann lächelte er. Ein warmes, leises, verstehendes Lächeln.

Und lächelnd fuhr er die letzten Meter bis zu seinem Hof.