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Dienstag, 15. September 2026

Jeden Moment neu

"Jede Entscheidung, die du fällst - JEDE Entscheidung - ist nicht eine Entscheidung darüber, was zu tun ist. Es ist eine Entscheidung darüber, wer du BIST."

Dieser Satz ist mir heute in die Hände gefallen. Und ich habe ausführlich darüber nachgedacht. Warum beschäftigt mich ausgerechnet dieser Satz? Weil er mich daran erinnert, dass unser Leben nicht nur aus den großen Weichenstellungen besteht, sondern aus dem, was wir im Kleinen immer wieder wählen. Das mag auf den ersten Blick bedeutungslos wirken. Doch das ist es nicht. Es sind genau die Momente, in denen wir tagtäglich unzählige Male wählen, wer wir sind.

Grüßen wir die Nachbarin freundlich oder sehen wir sie genauso grimmig an wie sie uns?

Sagen wir der Kassenangestellten im Supermarkt, dass sie uns um zehn Euro zu viel gegeben hat, oder schleichen wir still fort?

Konfrontieren wir Menschen mit unserer unreflektierten persönlichen Meinung, oder erkennen wir sie als das, was sie ist? Nämlich unsere persönliche, unreflektierte Meinung.

Bilden wir uns rasche Urteile, die wir für das Maß aller Dinge halten?

Sprechen oder denken wir abwertend über andere Menschen?

Sind wir bestrebt, alles mit gleicher Münze zurückzuzahlen?

Wie oft behandeln wir jemanden unfreundlich und lieblos, um ihn zu bestrafen?

Wie oft machen wir andere für unseren Ärger, unseren Frust, unsere Enttäuschung verantwortlich, statt ehrlich hinzusehen, was in uns selbst geschieht?

Wie oft vergessen wir, dass eine andere Meinung einen anderen Menschen nicht automatisch zum Feind macht?

Wie oft vergessen wir, dass wir niemanden korrigieren, belehren oder ändern müssen?

Wie oft sagen wir ja statt nein und nein statt ja?

Und da gibt es auch noch diese unzähligen, fatalen Ich-Bin-Sätze, mit denen wir uns selbst und der Welt verkünden, wer wir uns in diesem Augenblick entschieden haben, zu sein.

Ich bin verärgert.

Ich bin gestresst.

Ich bin gekränkt, beleidigt, verletzt ... 

Ich bin zu alt, zu arm, zu dumm, zu schwach, ein Opfer der Umstände oder meiner Kindheit, und was auch sonst noch immer.

Ich bin eben so.

Diese Liste ließe sich endlos fortführen. Unzählige Entscheidungen – unzählige Möglichkeiten, zu wählen, wer wir sind.

Freundlich oder unfreundlich, ehrlich oder unehrlich, geduldig oder ungeduldig, liebevoll oder lieblos, vergebend oder nachtragend, verständnisvoll oder verständnislos, gleichgültig oder mitfühlend – alles meine Entscheidungen. Und jede dieser Entscheidungen hält mir einen Spiegel vor, der nicht zeigt, ob ich ein guter oder schlechter Mensch bin, sondern einfach nur, wer ich in diesem Moment entschieden habe zu sein.

Wenn ich darüber nachdenke, erscheint mir genau das als eines der göttlichsten Geschenke, die wir auf unseren Weg mitbekommen haben.

Und vielleicht beginnt genau dort die eigentliche Freiheit: in jedem einzelnen Moment neu zu wählen, wer ich sein möchte.

 



Dienstag, 9. Dezember 2025

Ich bin gut genug

Wir alle kennen diese Momente, in denen wir glauben, nicht gut genug zu sein.

Es gibt Tage, an denen das Leben eine Richtung einschlägt, die uns an unseren Fähigkeiten und an unserem Wert zweifeln lässt.

Vielleicht ist es eine Trennung.
Vielleicht ist es eine zerbrochene Freundschaft, die uns infrage stellt.
Vielleicht sind es urteilende Worte, die uns treffen. Oder das Wiederauftauchen alter Muster und Stimmen aus der Vergangenheit.

Manchmal flüstert etwas in uns:
Du solltest besser sein.
Anders sein.
Für das Wohlergehen anderer verantwortlich sein.

Doch das bist du nicht.
Du bist nicht die Meinung anderer.
Du bist nicht ihre Projektion.

Erlaube dir, dich mit den Augen Gottes zu sehen –
mit den Augen der Liebe, der Güte, des Mitgefühls.

Du musst nicht vollkommen sein, um geliebt zu werden.
Und jemand, der deine Unvollkommenheit nicht lieben kann,
wird auch deine Vollkommenheit nicht lieben.

Sprich es dir leise zu –
so oft du es brauchst:

Ich bin gut genug – auch wenn ich Fehler habe.
Ich bin gut genug – auch wenn andere mich verurteilen.
Ich bin gut genug – auch wenn ich nicht allen gefalle.
Ich bin gut genug – auch wenn ich es nicht jedem recht mache.

Mein Wert hängt nicht davon ab, wie andere mich sehen.
Es reicht, dass ich bin.
Dass ich mein Bestes gebe.
Dass ich liebe – ohne zu fordern.
Mich selbst.
Und andere.

Das heißt nicht, dass wir uns auf unseren Unzulänglichkeiten ausruhen sollen.
Wir sind eingeladen, in jedem Moment die beste Version unseres Selbst zu sein.
Aber es schmälert unseren Wert nicht, wenn uns das nicht immer gelingt.

Wir dürfen lernen.
Fehler machen.
Wachsen.
Uns selbst mit Mitgefühl begegnen.

Denn tief in uns wohnt etwas, das immer genügt.
Etwas, das bleibt – jenseits aller Urteile:

Unser ewiges, gottgewolltes – ICH BIN.



Montag, 16. Juni 2025

Wenn ich vor fünf Uhr morgens beginne, zu denken...

Was ist eigentlich Bewusstsein?

Diese Frage klingt harmlos – bis man sie wirklich stellt.

Denn wer eine klare Antwort sucht, muss sich auf etwas gefasst machen:
ein gedankliches Labyrinth mit hundert Türen, aber kaum einer, die wirklich ins Freie führt.

Wie immer, wenn ich solch knifflige Fragen beantwortet haben möchte,
habe ich das Internet befragt.
Ich habe es durchforstet, durchklickt, durchgoogelt –
und wurde mit einem Feuerwerk an Definitionen belohnt,
so bunt und exotisch,
dass mir fast schwindlig wurde.
Ein wahres Fest der Vielfalt –
aber leider nur ein kleines Flämmchen an Klarheit.

Für mich selbst fühlt sich Bewusstsein wie eine Mischung an:
Ein Ich-Bewusstsein – diese tief verankerte Gewissheit, dass „ich bin“ –
verknüpft mit der Summe meiner gemachten Erfahrungen.
Aber selbst die Einfachheit dieses „Ich bin“ ist trügerisch.
Ein harmloser Satz, der ganze Generationen von Philosophen beschäftigt hat.
Denn was heißt das schon – ich bin?

Und kaum denkt man, man hätte es verstanden,
merkt man: Dieses „Ich bin“ hängt untrennbar mit dem Erlebten zusammen –
mit allem, was ich erfahren habe, und mit dem, was ich für mich halte.
Und damit landen wir…
wieder beim „Ich bin“.

Eines jedenfalls scheint sicher:
„Ich bin“ ist ein Privileg.
Denn das Gegenteil wäre „Ich bin nicht“.
Und das ist schwer vorstellbar –
schwerer noch als das „Ich bin“.
Denn „Ich bin nicht“ hieße:
Ich bin in der Schöpfung gar nicht vorgesehen.
Nicht einmal als Möglichkeit.
Denn jede Möglichkeit setzt immerhin ein „Ich bin“ voraus –
zumindest irgendwie, irgendwo.

Und so stellt sich die Frage:
Wovon hängt es ab, ob ich bin oder nicht bin?
Ist „alles, was ist“ dasselbe wie "alles, was nicht ist" –
nur aus einer anderen Perspektive?

Und was bedeutet „Ich bin“ dann überhaupt?
Wenn ich diesen Gedanken weiterdenke,
bin ich mir meines „Ich bin“ plötzlich gar nicht mehr so sicher.
Vielleicht bin ich ja auch ein „Ich bin nicht“,
das bloß glaubt, es sei ein „Ich bin“.

Und spätestens hier weiß ich:
Ich habe mich verstrickt in meinen eigenen Gedanken.
Verstrickt, jedoch nicht verloren.
Aber dennoch: vielleicht warte ich mit weiteren Gedankenkonstrukten nun doch lieber, bis ich ganz wach bin.
😉