Freitag, 15. August 2025

Ich muss noch an mir arbeiten

Wer kennt ihn nicht, diesen Satz: „Da musst du noch an dir arbeiten.“

Dahinter steckt oft nichts anderes als die Botschaft: „So, wie du jetzt bist, bist du nicht gut genug.“

Solche Überzeugungen übernehmen wir schneller, als uns lieb ist. Irgendwann wird daraus ein inneres Echo: „Da muss ich noch an mir arbeiten.“

Plötzlich betrachten wir uns selbst wie ein unfertiges Werkstück – fehlerhaft, zu verbessern, zu korrigieren, zu reparieren. Wir glauben, nicht genug zu sein.
Diese Überzeugung erzeugt Druck. Denn jedes „Müssen“ trägt einen inneren Widerstand in sich: den Zwang, ein Ziel zu erreichen, sich zu verändern, etwas zu leisten.

Doch stellen wir uns einmal vor:
Wenn wir keine Erinnerung an unsere Vergangenheit hätten – wer wären wir dann?
Würden wir auch dann glauben, an uns arbeiten zu müssen?

Oder wären wir einfach wir selbst – in schöner, göttlicher Vollkommenheit?
Nicht perfekt, vielleicht. Aber vollständig.
Gut genug für dieses Leben. Und das genügt.

Forscher gehen davon aus, dass etwa 95 Prozent dessen, was wir über uns und die Welt glauben, vor unserem siebten Lebensjahr programmiert wurde – und rund 70 Prozent davon sind destruktiv.
Das heißt: 70 Prozent unseres Lebens verbringen wir mit Zweifeln, Selbstkritik und Schuldgefühlen, statt heiter, glücklich und barfuß durchs Leben zu tanzen.

Was wären wir ohne den Gedanken „Ich bin nicht gut genug“?
Was wäre, wenn wir aufhörten, zu glauben, was man uns beigebracht hat?

Vielleicht sollten wir weniger an uns arbeiten – und stattdessen mehr mit Bewusstseinszuständen spielen.
Vielleicht sollten wir den Satz „Ich muss an mir arbeiten“ ersetzen durch:
„Wer möchte ich heute sein?“

Vielleicht hatte ich heute einen schlechten Tag.
Vielleicht haben meine Gedanken mich in die Rolle eines hilflosen Opfers katapultiert.
Vielleicht haben meine Urteile und Interpretationen genau jene Überzeugung in mir genährt, dass ich falsch bin.

Aber wer möchte ich stattdessen sein?

Vielleicht ein Mensch voller Güte.
Voller Dankbarkeit, Achtsamkeit, Liebe und Respekt – mir selbst gegenüber, und allen anderen.

Nicht das endlose Reparieren bringt uns Erfüllung –
sondern die bewusste Wahl eines Zustands, in dem wir uns wohlfühlen.
Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, sich selbst zu erleben.

„Ich bin nicht gut genug“ ist nur ein Gedanke unter vielen.
Ebenso wie: „Ich darf ich selbst sein – in meiner besten Version.“

Am Ende geht es nicht darum, sich als Baustelle zu betrachten –
sondern als wertvolles, vollständiges Wesen.
Bereit, das eigene Leben in Fülle und Freude zu leben.

 


2 Kommentare:

  1. wie wahr aber sooo tief verankert. Das ist ein Lebensweg. Danke fürs erinnern. FK

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