Donnerstag, 28. August 2025

Weisheit ist keine Nebenwirkung des Alters

Weisheit wächst nicht mit Jahren, sondern mit Haltung

Es gibt einen unzerstörbaren Glauben, der sich durch alle Generationen zieht: Die Vorstellung, dass mit den Jahren eine leise, aber stetig wachsende Weisheit in uns einzieht.. Dass wir, wenn uns schon der Glanz der Jugend ein wenig abhandengekommen ist, wenigstens zu lichtvollen Vorbildern für Nachkommenden werden. Doch wer ehrlich hinsieht, merkt: Nur wenige erfüllen dieses Ideal. Mit Güte und Sanftheit auf die Welt zu schauen, gelingt uns selten. Es ist kein Alltagsblick, sondern ein Traum.

Wir waren einmal die Suchenden, die Rebellen, die Visionäre. Wir wollten alles verändern. Und dann – fast unmerklich – wechselten wir die Seite.
Aus Weltverbesserern wurden Besserwisser. Aus Visionären Skeptiker. Aus Rebellen Ja-Sager. Statt „Wir verändern die Welt“ hieß es irgendwann: „Was soll man da schon machen?“

So ist es: Nicht alle sind zu weisen Vorbildern geworden. Viele fügen sich in das Bild, das die Gesellschaft vorgibt – das der Alten, die nichts mehr wert sind. Andere werden einfach nur älter: nicht gebrechlich, aber auch nicht reifer. Und manche erwarten Respekt, ohne selbst bereit zu sein, ihn Jüngeren zu schenken. Doch Respekt ist keine Einbahnstraße.

Warum also fehlt uns so oft die Reife?
Eine gängige Erklärung lautet: In einer Kultur, die Jugend vergöttert und Alter entwertet, könne Weisheit nicht wachsen. Und ja – die Gesellschaft misst uns am Maßstab von Leistung und Vitalität, nicht an Erfahrung. Die Botschaft ist klar: Wer alt ist, hat seine beste Zeit hinter sich.

Aber: Wie weit ist das nur eine Ausrede?
Wo ist das Feuer geblieben, das uns einst angetrieben hat? Warum fügen wir uns still in ein Bild, das andere für uns entworfen haben?

Denn Weisheit wächst nicht von allein. Sie braucht Pflege: Liebe. Hingabe. Zeit. Und die Erlaubnis, Fehler zu machen, ohne lebenslang gebrandmarkt zu werden.

Älter werden wir alle – doch reifer werden wir nur, wenn wir es wollen. Erfahrung allein macht uns nicht milder. Weisheit ist kein goldener Thron, auf dem wir uns niederlassen können. Sie ist ein Weg, den wir gehen – oder eben nicht.

Die Jahre geben uns Zeit.
Die Haltung entscheidet, was wir daraus machen.


Jahre sammeln sich wie Seiten - ob daraus Weisheit wird, entscheiden wir.


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