Weisheit
wächst nicht mit Jahren, sondern mit Haltung
Es gibt einen unzerstörbaren
Glauben, der sich durch alle Generationen zieht: Die Vorstellung, dass mit den
Jahren eine leise, aber stetig wachsende Weisheit in uns einzieht.. Dass
wir, wenn uns schon der Glanz der Jugend ein wenig abhandengekommen ist, wenigstens zu lichtvollen Vorbildern für Nachkommenden werden. Doch wer ehrlich hinsieht, merkt: Nur wenige
erfüllen dieses Ideal. Mit Güte und Sanftheit auf die Welt zu schauen, gelingt
uns selten. Es ist kein Alltagsblick, sondern ein Traum.
Wir waren einmal die Suchenden, die Rebellen, die
Visionäre. Wir wollten alles verändern. Und dann – fast unmerklich – wechselten
wir die Seite.
Aus Weltverbesserern wurden Besserwisser. Aus Visionären Skeptiker. Aus
Rebellen Ja-Sager. Statt „Wir verändern die Welt“ hieß es irgendwann: „Was soll
man da schon machen?“
So ist es: Nicht alle sind zu weisen Vorbildern
geworden. Viele fügen sich in das Bild, das die Gesellschaft vorgibt – das der
Alten, die nichts mehr wert sind. Andere werden einfach nur älter: nicht
gebrechlich, aber auch nicht reifer. Und manche erwarten Respekt, ohne selbst
bereit zu sein, ihn Jüngeren zu schenken. Doch Respekt ist keine Einbahnstraße.
Warum also fehlt uns so oft die Reife?
Eine gängige Erklärung lautet: In einer Kultur, die Jugend vergöttert und Alter
entwertet, könne Weisheit nicht wachsen. Und ja – die Gesellschaft misst uns am
Maßstab von Leistung und Vitalität, nicht an Erfahrung. Die Botschaft ist klar:
Wer alt ist, hat seine beste Zeit hinter sich.
Aber: Wie weit ist das nur eine Ausrede?
Wo ist das Feuer geblieben, das uns einst angetrieben hat? Warum fügen wir uns
still in ein Bild, das andere für uns entworfen haben?
Denn Weisheit wächst nicht von allein. Sie
braucht Pflege: Liebe. Hingabe. Zeit. Und die Erlaubnis, Fehler zu machen, ohne
lebenslang gebrandmarkt zu werden.
Älter werden wir alle – doch reifer werden wir
nur, wenn wir es wollen. Erfahrung allein macht uns nicht milder. Weisheit ist
kein goldener Thron, auf dem wir uns niederlassen können. Sie ist ein Weg, den
wir gehen – oder eben nicht.
Die Jahre geben uns Zeit.
Die Haltung entscheidet, was wir daraus machen.
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Jahre sammeln sich wie Seiten - ob daraus Weisheit wird, entscheiden wir. |
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