Freitag, 13. Juni 2014

Was wir können, leben wir...

Von klein auf lernen wir im Grunde genommen, für alles, was sich in unserem Leben zeigt, einen Schuldigen zu suchen (und auch zu finden!) Ich erinnere mich da an meine Volksschulzeit. In meiner Klasse war ein Mädchen, das einer sozial schwächeren Familie entstammte. Und dazu war sie das, was man heute als "verhaltenskreativ" bezeichnen würde. Damals jedoch gab es noch keine solchen Umschreibungen für unerzogene, schwierige Kinder. Damals nannte man "das Kind noch beim Namen". Die Lehrer mochten sie nicht besonders, und so kamen wir Kinder überhaupt gar nicht erst auf die Idee, sie zu mögen. Noch dazu bot sie sich uns als ständiger und zuverlässiger Sündenbock an. Was immer in der Klasse geschah, egal ob jemand etwas verloren hatte, etwas kaputt gegangen war, wir zu laut, zu wild waren, oder es in der Klasse eigentümlich roch - wir wussten, wem wir die Schuld zu geben hatten. Von den Lehrern wurde das anstandslos akzeptiert, was ich bis heute nicht begreifen kann. Damals fanden wir das jedoch alle ungeheuer praktisch, weil wir nicht verstanden, welch fatale Einstellung zur Selbstverantwortung uns damit vermittelt wurde.
Nun, wir sind erwachsen geworden, weiser, reifer.... (hoffe ich zumindest!) und unsere Sündenböcke sind andere geworden. Das unbeliebte Mädchen aus unserer Klasse steht uns nicht mehr zur Verfügung, dafür haben wir eben die unfähige Regierung, die Moslems, die bösen Nachbarn, und wer immer sich sonst noch so alles dafür eignet. Und in meinem Fall - wenn ich grad glaube, auf diesen Zug aufspringen zu müssen - alle die, die anderer Meinung sind als ich, was ich mit meinem gestrigen "Statement" bei Facebook hinreichend bewiesen habe. Egal wofür man die anderen verantwortlich macht, seien es die wenig zufriedenstellenden politischen Zustände oder seien es die unerfreulichen Emotionen, die einen manchmal überrollen, wenn man über die eigene Intoleranz stolpert - das Muster ist immer das gleiche.
Es ist schon richtig, dass Geschimpfe und Gejammere die Welt nicht verbessern - nur meine "Wutausbrüche" tun das auch nicht. Jedoch getreu dem Motto "Was wir können, das leben wir, und was wir nicht können, das lehren wir" hänge ich mich hin und wieder gedankenlos an die "Kette des Schmerzes" - wie Salomon das in "Sara und die Eule" bezeichnet. Ist ja richtig witzig, wie schnell man in solch eine Falle tappen kann, ohne es überhaupt zu merken. Intoleranz bleibt Intoleranz - ganz egal, aus welcher Ecke sie kommt und wogegen sie sich richtet. Und meine eigene Intoleranz ist um gar nichts besser als die der anderen und auch meine Meinung steht nicht über der Meinung anderer. Das sind so die Erkenntnisse, die ich aus meiner gestrigen Wut gewonnen habe, und ab sofort hänge ich wieder an der "Kette der Freude". ALOHA! :-)



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