Mittwoch, 27. August 2025

Von Boomern, Gen Z und dem einen Wunsch, der uns alle eint

Ein Aufruf zum Zuhören über Altersgrenzen hinweg 

Die Menschen sind ein seltsames Konstrukt – wundervoll und tragisch, komplex und verletzlich. Und oft mit Aufgaben konfrontiert, für die ihnen die Reife noch fehlt. Sie gelten mit achtzehn als erwachsen, während sie noch kaum Lebenserfahrung gesammelt haben. Sie verlieben sich, während sie noch auf der Suche nach sich selbst sind. Heiraten, bevor sie begreifen, dass Liebe kein Tauschgeschäft ist. Bekommen Kinder, obwohl sie kaum gelernt haben, mit sich selbst klarzukommen. Und sie hören nicht auf jene, die viele dieser Wege bereits gegangen sind. Es ist die Generation „Wir wissen alles besser“.

Doch diese Generation gibt und gab es immer. Ich erinnere mich gut an meine eigene Jugend. Hätte mir damals jemand gesagt, dass meine Mutter mit ihren - in meinen Augen - antiquierten Ansichten zumindest in manchem recht haben könnte – ich hätte nur gelacht. Zwischen der Jugend meiner Mutter und mir lagen meiner Ansicht nach Welten. Ich war überzeugt, die Welt habe sich seit damals grundlegend verändert – was früher Gültigkeit hatte, sei mittlerweile bedeutungslos. Das mag auf manches zutreffen, aber eben nicht auf alles. Gewisse „Standards“ ändern sich nie. Respekt, Empathie, das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und das Streben nach Glück sind Konstanten, die jede Generation auf ihre Weise sucht und verteidigt. Andere Normen verändern sich tatsächlich – zum Beispiel der Umgang mit Anstand, Sitte und Moral. Das Leben ist in mancherlei Hinsicht freizügiger geworden. Doch Freizügigkeit allein ist noch kein Fortschritt. Mit jeder Öffnung stellen sich auch neue Fragen. Veränderungen anzunehmen und umzusetzen bedeutet „mit der Zeit zu gehen“. Zu hinterfragen, ob diese Veränderungen tatsächlich sinnvoll und zu unserem Vorteil sind, bedeutet Freiheit. Vieles mag sich wandeln, die Herausforderungen und die Mittel, mit ihnen umzugehen, verändern sich – aber die Suche nach Sinn, nach Anerkennung und Geborgenheit bleibt. Im Grunde genommen wollen wir alle eines – nämlich glücklich sein. 

Wir erleben heute, wie die Generationen scheinbar weiter auseinanderdriften: Boomer belächeln die Gen Z für ihre vermeintliche Empfindlichkeit und mangelnde Belastbarkeit, Gen X seufzt genervt über Moralpredigten, Millennials hadern mit Erwartungen, die sie nicht erfüllen wollen. Und doch sind alle in denselben Fragen gefangen: Wer bin ich? Was sind die Werte in meinem Leben? Das wiederkehrende „Wir wissen es besser“ ist nicht nur ein Ausdruck von Arroganz – es ist oft auch Unsicherheit, Angst vor Kontrollverlust, Sehnsucht nach Orientierung. So wie einst unsere Eltern an der eigenen Lebenserfahrung festhielten, klammern wir uns nun an unser Wissen und empfinden die Nachfolgenden als bedrohlich fremd. Dabei waren wir einst selbst die, die alles besser wussten. 

Vielleicht ist es an der Zeit, diese Spirale zu durchbrechen. Wir könnten voneinander lernen, statt einander abzuwerten. Die Geschichten, die Fehler, das Wissen und die Irrtümer jeder Generation sind kostbar. Sie verdienen es, geteilt und gehört zu werden. Dafür braucht es Offenheit und Mut – auf beiden Seiten. Den Mut, zuzugeben, dass man nicht alles weiß; die Offenheit, zuzuhören, ohne gleich zu urteilen. Das ehrliche Interesse am Leben des Anderen, egal ob achtzehn oder achtzig. Denn letzten Endes sind wir Menschen in all unserer Vielfalt mehr verbunden, als wir denken. Die Erfahrung der einen kann zur Wegmarke für die anderen werden. 

Zuhören über Altersgrenzen hinweg ist der erste Schritt, einander nicht länger fremd zu sein. Einander zuzuhören heißt, einander auch in anderen Meinungen und Ansichten ernst zu nehmen.

 Einander ernst zunehmen heißt, auch dort wertzuschätzen, wo man vielleicht nicht ganz versteht. 

Und einander wertzuschätzen heißt, den anderen anzuerkennen in allem, was er ist. Das ist Liebe in ihrer reinsten Form Und vielleicht ist das das Wertvollste, was Generationen einander schenken können.


Zwei Generationen – ein stiller Blick, der mehr sagt als Worte.


1 Kommentar:

  1. Danke ⚘️ ja zuhören auch wenn ich nicht immer alles verstehe Wertschätzung für mein Gegenüber egal welchen Alters, es klingt so einfach und doch muss ich aufpassen, wie ich mit einzelnen Personen bzw. Themen umgehen. Danke wieder einmal von Herzen für Deine aufrüttelnden Worte (G.R)

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