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Mittwoch, 18. Februar 2026

Fastenzeit – Ramadan

Heute beginnt die Fastenzeit – und gleichzeitig auch der Ramadan.

Ein besonderer Moment.
Nicht als theologischer Fakt, sondern als Zeitqualität.

Die christliche Fastenzeit beginnt mit dem Aschermittwoch und führt vierzig Tage bis Ostern.
Der Ramadan ist der Fastenmonat im Islam – eine Zeit von Enthaltsamkeit, Gebet, innerer Reinigung und Bewusstwerdung.
Zwei große Traditionen.
Zwei Wege.
Und doch eine ähnliche Bewegung:
Weniger Außen.
Mehr Innen.
Weniger Konsum.
Mehr Bewusstsein.

Fasten ist nicht nur Nahrungsverzicht.
Es ist auch:
– innehalten
– prüfen
– loslassen
– neu ausrichten

Die theologische Seite ist für mich persönlich nicht von Relevanz.
Doch die Energie dieses Zusammentreffens geht nicht an mir vorüber.

So habe ich für mich entschieden, diese Zeitqualität für innere Klärung zu nutzen –
und alten Groll loszulassen.

„Ich will mich von altem Groll befreien.“

Das ist eine andere Art von Fasten.
Nicht Verzicht auf Nahrung,
sondern Verzicht auf innere Wiederholungen.

Groll ist selten laut.
Er sitzt wie feiner Staub in den Ecken.
Man bemerkt ihn nicht ständig –
aber er färbt unsere Reaktionen.

Es geht nicht darum, etwas wegzudrücken oder zu leugnen.
Es geht darum, weich und bewusst zu werden –
und mich nicht unbewusst vom Groll steuern zu lassen.

Die vom HeartMath-Institut entwickelte Herzübung ist dafür gut geeignet,
weil sie nicht analysiert,
sondern reguliert.
Nicht: „Warum bin ich verletzt?“
Sondern: „Ich wähle jetzt Kohärenz.“

Sie ist ganz einfach:

1.     Wir legen eine Hand – und unsere Aufmerksamkeit – auf den Herzbereich.

2.     Der Atem wird ruhig und gleichmäßig – fünf Sekunden ein, fünf Sekunden aus. Wir lassen ihn durch unser Herzzentrum fließen.

3.     Wir rufen bewusst ein Gefühl wach, zum Beispiel:
Dankbarkeit
Wertschätzung
Liebe
Mitgefühl

Dadurch entsteht messbar ein kohärenter Herzrhythmus.
Das Nervensystem beruhigt sich,
Stressmuster lösen sich leichter.

Vierzig Tage lang – dreimal täglich.

Und zum Abschluss ein Satz – immer derselbe:
„Heute reagiere ich aus Klarheit, nicht aus altem Groll.“

Wenn ich merke, dass Groll meine Reaktionen beeinflusst:
„Das ist alter Staub. Ich muss ihn nicht weitertragen.“
Ein Atemzug ins Herz.
Weitergehen.

Abends ein kurzer Rückblick:
Habe ich irgendwo enger reagiert als nötig?
Ohne Urteil – nur als Wahrnehmung.

Dann wieder Herzatmung.
Und innerlich:
„Ich entlasse, was ich nicht mehr brauche.“

Mehr nicht.

Ich wünsche euch allen eine wunderschöne, klärende Fastenzeit.

Mögen Liebe, Dankbarkeit und Frieden unsere ständigen Wegbegleiter sein.

 

Samstag, 15. November 2025

Wähle, was du sein willst

In meinen ersten Schuljahren hatte ich eine Religionslehrerin, die uns folgende Lehre mit auf den Weg gab:
Es gibt zwei Arten von Wut.

Eine gute Wut – das war die, die sie regelmäßig gegen uns Kinder hegte.
Sie war in ihren Augen gerecht, denn wir hätten sie verdient.
Eine „gottgewollte“ Wut.
Um nicht zu sagen, eine „heilige“ Wut.

Und dann gab es die schlechte Wut – eine Sünde.
Das war jene, die wir Kinder manchmal empfanden.
Ungerechtfertigt. Unangemessen. Kleingeistig. 
Auf Gottes „Strafenliste“ ziemlich weit oben angesiedelt.

Dieses Muster begegnet mir immer wieder.
Viele Menschen empfinden Zorn, Wut, Abneigung, Hass. Und weil sie sicher sind, das Objekt ihrer Gefühle trage die Schuld daran, glauben sie, ein Recht darauf zu haben.
Und worauf man ein Recht hat, das darf man ungestraft beanspruchen.

Ich bin wütend – und du bist schuld.
Ich hasse dich – aber das musst du ertragen, denn du hast es provoziert.
Ich fühle Zorn – und das ist nur gerecht, denn du verdienst ihn.

Nur selten stellen wir uns die entscheidende Frage:
Hilft mir diese Emotion?
Bringt sie mich weiter?
Heilt sie etwas – in mir oder in anderen?
Verbessert sie mein Leben in irgendeiner Form?

Jemand hat mich verletzt.
Vielleicht sogar misshandelt.
Und anstatt mich jetzt selbst liebevoll zu halten –
mit Achtung, Würde und Mitgefühl –
fülle ich meinen Körper, meinen Geist und meine Seele mit Rachegedanken.
Mit Hass.
Mit der Unfähigkeit loszulassen.

Ich nehme Wut und Hass in Besitz, als wären sie ein Recht, das nicht hinterfragt werden darf.

Doch mit dem Hass ist es ebenso wie mit der Liebe.

Liebe – in ihrer reinsten Form – richtet sich nicht auf ein Objekt.
Sie ist.
Ein Seinszustand.
Wenn wir Liebe sind, baden wir selbst in dieser Liebe.
Und das erlaubt Heilung.

Und Hass wirkt ebenso –
nicht nur nach außen.
Auch nach innen.
Er ist kein Pfeil. Er ist ein Feld.
Ebenso wie die Liebe - ein Seinszustand.

Er ergießt sich über alles –
auch über uns selbst.

Und genau hier liegt unsere Chance für Wachstum.

Natürlich darf auch unsere Wut da sein. Aber wir müssen sie nicht verherrlichen. Wir müssen nicht unseren Hass kultivieren.

Wir handeln weiser, wenn wir uns nicht auf unser Recht auf Rache berufen, sondern auf die Fähigkeit zur Umwandlung.
Darauf, dass es möglich ist, aus einem inneren Zustand der Liebe zu handeln – selbst, wenn der andere nicht alles richtig gemacht hat.

Wir können nicht gleichzeitig lieben und hassen.
Nicht diesen lieben und jenen hassen.
Wir müssen uns entscheiden:
Was wollen wir sein?

Liebe?
Oder Hass?

Ich denke, diese Entscheidung sollte uns nicht allzu schwerfallen.

 



Freitag, 3. Oktober 2025

Liebe, die nichts will

Wer kennt nicht das Gefühl, jemanden aus tiefster Seele zu lieben? Vollkommen. Ohne Bedingungen.

Doch sind wir wirklich frei von Erwartungen, wenn wir lieben?

Oft knüpfen wir still Wünsche an unsere Liebe. Im Idealfall soll der von uns Geliebte uns zurücklieben. Wenn er das nicht tut, soll er wenigstens anerkennen, dass wir ihn lieben, oder doch zumindest bemerken, dass wir ihn lieben. Und ein wenig dankbar könnte er auch sein, dafür dass wir ihn derart bedingungslos lieben.

Bleibt all das aus, fühlen wir uns allein mit unserer Liebe. Je nachdem, wie nahe uns der andere steht, ziehen wir uns zurück und verweigern unsere Liebe ebenfalls, oder wir lieben weiter, jedoch nicht, ohne ihn zumindest merken zu lassen, dass er unsere Erwartungen nicht erfüllt. 

Ich kannte einmal eine Bettlerin, der ich regelmäßig etwas Geld gab.
Ich liebte diese Frau nicht – aber ich liebte das Gefühl, ihr eine Freude zu machen.
Die Bedingung war: Sie musste sich freuen.
Als sie eines Tages unzufrieden war mit dem, was ich ihr gab, wurde ich innerlich wütend.
Ich hatte ihr etwas gegeben – und unbewusst etwas dafür erwartet. Freude. Dankbarkeit.
Als sie mir das vorenthielt, verlor ich die Freude am Geben.

Ich gab ihr zwar weiterhin Geld, aber ohne Herz. Ohne inneres Ja.
Meine Tochter rückte mit wenigen Worten meine Sichtweise wieder gerade. Sie sagte:
„Du musst eine Entscheidung treffen.
Entweder du lernst, Nein zu sagen, und gibst ihr nichts mehr –
oder du gibst ihr weiterhin etwas, aber dann mit offenem Herzen.
Mit einer Freude, die sich selbst genügt.
Nicht mit der Erwartung, dass sie sich auf eine bestimmte Weise verhalten muss.“

Und sie hatte, wie so oft, recht.

So ist es auch mit der Liebe.
Wirklich zu lieben bedeutet, eine Entscheidung zu treffen:
Entweder wir verschließen unser Herz – oder wir öffnen es ganz.
Dann aber dürfen wir unsere Liebe nicht an Bedingungen knüpfen.
Nicht an Verhalten. Nicht an Erwiderung.
Wahre Liebe ist ein Geschenk, das sich selbst genügt.

Das ist nicht immer leicht.
Wir sind geprägt vom Wunsch nach Anerkennung, Nähe, Erwiderung.
Doch die größte Freiheit liegt in den leisen Worten

„Ich liebe dich –
aber ich brauche nichts von dir.
Mein Herz ist offen für dich.
Meine Arme sind offen für dich.
Mein Haus ist offen für dich.
Du musst nichts dafür tun.
Und du musst nichts davon in Anspruch nehmen.
Es ist deine Entscheidung. Deine Freiheit.
Und was immer du tust oder nichts tust - 
es wird nichts ändern an meiner Haltung. 
Niemals.“

Das ist Liebe in ihrer reinsten Form.
Das ist Weite. Das ist Freiheit. Das ist Glück.
Das ist der Moment, in dem wir aufhören zu fordern –
und beginnen zu lieben.