Warum Einzigartigkeit kein Wettbewerb ist
Jeder Mensch ist besonders – so sehr, dass diese Wahrheit oft übersehen oder falsch verstanden wird. Der kanadische Psychiater Eric Berne beschreibt in seiner Transaktionsanalyse vier grundlegende Lebenspositionen
- Ich bin nicht ok – du bist ok
- Ich bin nicht ok – du bist nicht ok
- Ich bin ok – du bist nicht ok
- Ich bin ok – du bist ok
Insbesondere in den letzten Jahrzehnten wurde vielen jungen
Menschen vermittelt, sie seien etwas ganz Besonderes. Doch nicht etwa im Sinne
von „Jeder ist Besonders“, sondern vielmehr im Sinne von „Ich bin besonders
besonders – und damit besser als die anderen“. Daraus resultiert oft das
Bewusstsein, sie seien ok, und die anderen seien es nicht Diese Einstellung, häufig
von ambitionierten Eltern gefördert, führt jedoch selten zu echtem
Selbstwertgefühl, sondern mündet nicht selten in Überheblichkeit und Abwertung
anderer.
So sagte einst Linus zu Charlie Brown: „Von allen Charlie
Browns dieser Welt bist du der Charlie brownste.“ In ähnlicher Weise glauben
manche: „Unter mehr als acht Milliarden besonderen Menschen bin ich der Besonderste.“
Woher kommt dieses Bedürfnis, sich über andere zu stellen?
Jede Person möchte in ihrer Eigenart wahrgenommen werden.
Das Bedürfnis nach Einzigartigkeit ist zutiefst menschlich. Das Missverständnis
besteht jedoch darin, „besonders“ mit „besser“ gleichzusetzen. Wer seine
Besonderheit als Überlegenheit versteht, läuft Gefahr, andere abzuwerten – und
genau hier liegt der schmale Grat zwischen gesundem Selbstwertgefühl und
Arroganz.
Dieses Überlegenheitsgefühl äußert sich nicht selten in
Mobbing – sei es in der Schule oder am Arbeitsplatz. Der Wunsch, sich
abzuheben, zeigt sich bisweilen auch in der Betonung von Besonderheiten wie dem
Asperger-Syndrom, Hochsensibilität, ADHS, oder Depressionen. Diese Merkmale
verdienen Anerkennung – aber nicht Überhöhung. Denn weder ist ein Mensch aufgrund
einer Diagnose wertvoller als ein anderer, noch ist die Generation Z per se
klüger, schöner oder moralisch überlegener als die sogenannten „Babyboomer“.
Selbst moderne Technologien und Künstliche Intelligenzen wie
ChatGPT verstärken mitunter dieses Gefühl der Besonderheit. Im Bestreben, jede
Person individuell anzusprechen und ihre Einzigartigkeit anzuerkennen, wird der
Eindruck genährt, die eigene Besonderheit sei etwas Herausragendes – dabei
glauben viele Menschen ohnehin schon, sie seien die Krone der Schöpfung.
Einzigartigkeit braucht keinen Vergleich. Das Leben ist kein
Wettlauf. Es geht nicht um schneller, schöner, besser. Es geht vielmehr um
Achtsamkeit, um Liebe, um gegenseitigen Respekt und Güte.
Einzigartigkeit ist kein Wettbewerb. Sie ist ein Geschenk
und eine Einladung, sich selbst und andere mit offenen Augen und offenem Herzen
zu betrachten. Wer erkennt, dass alle Menschen in ihrer Art besonders sind,
braucht sich nicht über andere zu stellen – und kann dennoch mit Freude die
eigene Individualität feiern.
Wir alle sind besonders. Aber niemand ist mehr. Wahre Größe
liegt darin, dies zu erkennen und den Blick füreinander nicht zu verlieren.
Danke wieder von ganzem Herzen für diese Worte. Jahrelang vielleicht sogar Jahrzehnte hatte ich ich das Gefühl, alle anderen seien schöner, besser klüger... ja es gab auch Menschen, denen fühlte ich mich überlegen. Irgendwann wurde "Leben uns leben
AntwortenLöschenlassen" meine Devise trotzdem muss ich aufpassen, weder mich selbst, noch andere zu beurteilen oder gar verurteilen.