… und eine lebenslange Erinnerung
Als ich erfahren habe, dass ich beim SpaceNet Award 2026 den Unternehmenspreis gewonnen habe, wäre ich fast vom Sitz gefallen. Zum Glück saß ich gerade in der S-Bahn nach Graz – dort sitzt man doch ziemlich sicher.
Der SpaceNet Award ist ein Kurzgeschichten- und Bildwettbewerb, der alle zwei Jahre von der SpaceNet AG ausgeschrieben wird. Die dreißig besten Kurzgeschichten sowie die dreißig besten Fotos werden in einer Anthologie veröffentlicht. Und ich gehörte nicht nur zu den dreißig ausgewählten Autorinnen und Autoren – ich hatte den Unternehmenspreis gewonnen. Ich hatte mich gegen neunhundert eingesandte Kurzgeschichten behauptet. Das wusste ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.
Von da an gab es monatelang nur ein Thema: die Preisverleihungsgala in München. Was ziehe ich an? Welches Hotel? Welche Zugverbindung? Zwischendurch ein Online-Interview mit Katja, der Moderation der Preisverleihungsgala. Sie sagte mir, dass meine Geschichte etwas gehabt habe, was kaum eine andere hatte: Leichtigkeit. Und dass alle Entscheidungsbeteiligten sofort wussten: Das ist die Geschichte für den Unternehmenspreis.
Aufregende Monate.
Die Hinreise verlief problemlos. Zweimal umsteigen – und obwohl der mittlere Zug Verspätung hatte, haben wir den letzen locker erreicht.
Dann mit dem Bus zum Hotel. Beim Kauf der Buskarte haben uns zwei nette Leute geholfen, weil ich mich mit den Zonen nicht auskannte.
Komplizierter wurde es dann im Hotel. Die Rezeption ist nur bis 13 Uhr besetzt – danach muss man allein einchecken. Ich hatte zwar eine Mail mit den entsprechenden Codes erhalten, aber das hatte ich in meiner Aufregung längst vergessen😉.
An der Tür stand eine Telefonnummer. Die riefen wir an. Der Rezeptionist hat uns mit viel Geduld erklärt, was zu tun war, und uns schließlich per Videogespräch gezeigt, dass wir ohnehin an der falschen Tür standen.
Nun, irgendwann waren wir in unserem Hotelzimmer. Ich war ziemlich geschlaucht, und ich wollte nur eines: duschen, und mich dann für eine halbe Stunde in mein Bett werfen, um mich ein wenig zu entspannen. Das Duschen klappte hervorragend – das mit dem Bett weniger. Die Matratze war so hoch, dass ich sie kaum erklimmen konnte. Wenn ich mich daraufsetzen wollte, rutschte ich immer wieder ab. Eine Stehleiter gab es nicht. Ich habe jedoch letztendlich eine Technik entwickelt, mich in dieses Bett zu werfen, die eine Stehleiter unnötig machte.
Wir sind dann zum Veranstaltungsort gegangen. Zum Wirtshaus Schlachthof in München. Kein einladender Name. Aber sehr freundlich und familiär. Biertische und Bierbänke. Und viele freundliche Menschen. Und ein Pressefotograf bereits an der Tür. Also schnell aufstellen fürs Foto und dann das angebotene Glas Sekt nehmen.
Ich habe in ziemlich raschem Tempo zwei Gläser Sekt getrunken. Ich trinke sehr selten Alkohol, entsprechend wirkte er augenblicklich beruhigend auf mein Nervensystem. Und – naja, was soll ich sagen? Ich hatte das Gefühl, noch niemals etwas Köstlicheres getrunken zu haben. Danach trank ich allerdings nur mehr Zitronenlimonade.
Katja begrüßte mich sehr herzlich mit einer Umarmung, als sie mich sah. Sie erkannte mich sofort und wusste auch meinen Namen, obwohl wir einander nur bei einem einzigen Online-Interview gesehen hatten. Meine Nerven kamen schon ziemlich am Zahnfleisch daher. Und als ich ihr das sagte, antwortete sie: „Ja, meine auch.“ Ihre vermutlich aus anderen Gründen als meine.
Dann begann der offizielle Teil. Es wurden Ausschnitte aus etlichen Geschichten vorgelesen. Nicht aus allen dreißig. Aber meine war dabei.
Dann kam die Preisverleihung – und ich war die Erste, die auf die Bühne musste.
Was Sebastian von Bomhard – der Gründer und Vorstand der SpaceNet AG - auf der Bühne über meine Geschichte gesagt hat, das weiß ich nicht mehr. Ich weiß nicht einmal, ob ich es je wusste.
Ich weiß nur mehr, dass alle applaudiert und mir zugejubelt haben, als ich zur Bühne ging.
Auf der Bühne war ich nicht besonders gesprächig. Aber Katja hat das wirklich hilfreich überspielt. Ich habe meinen Scheck und die Gratulationen entgegengenommen. Und bin wieder gegangen. Alle anderen Preisträger, die danach auf die Bühne kamen, habe ich nur mehr am Rande wahrgenommen.
Und dann gab es eine Pause. Alle sind ins Freie gestürmt. Es regnete – aber kaum jemand stand unter dem Vordach. Alle standen im Regen und genossen die Abkühlung.
Sebastian von Bomhard stand einige Meter von mir entfernt und unterhielt sich mit einigen Menschen.
Dann sah er mich, ließ alle stehen und kam auf mich zu. Und das war das, was ich wirklich nie vergessen werde. Er sagte, meine Geschichte sei bei der Auswahl sofort unter den ersten dreißig gewesen. Aber sie sei so konträr zu allen anderen Geschichten, dass er sofort gewusst habe: DIESE Geschichte wolle er für den Unternehmenspreis. Das sei SEINE Geschichte. Er stimme zwar selbst gar nicht mit ab, aber dennoch wusste er: Das ist DIE Geschichte für den Unternehmenspreis.
Und er wusste auch nach den ersten Zeilen: „Diese Geschichte kommt aus Österreich. Das kann gar nicht anders sein.“
Er sagte, er sei sehr zufrieden gewesen, als er hinterher gesehen habe, dass seine Vermutung gestimmt habe.
Ich glaube, ich werde seine Worte niemals vergessen.
Als wir ins Hotel zurückkamen, mussten wir feststellen, dass wir keinen Code für das Haustor hatten. Aber zu diesem Zeitpunkt war mir das egal. Ich war auch bereit, auf der Straße zu schlafen. Doch glücklicherweise kamen ein Mann und eine Frau, und mit denen konnten wir mit hineingehen. Ich warf mich mit Schwung auf mein gefühlt eineinhalb Meter hohes Bett – aber einschlafen konnte ich eine Weile nicht. Naja, vielleicht war das Bett auch nur einen Meter hoch.
Am nächsten Morgen waren wir ziemlich früh am Bahnhof. Wir tranken noch einen Kaffee und kauften Getränke für die Heimfahrt. Und dann warteten wir. Auf Bahnsteig elf. Der Zug hatte Verspätung. Und dann noch ein wenig mehr Verspätung. Es schien unwahrscheinlich, den Anschlusszug in Salzburg zu erreichen. Doch das war mit in diesem Augenblick egal.
Und plötzlich – wie aus heiterem Himmel – begannen alle Menschen am Bahnsteig zu rennen. Alle in dieselbe Richtung.
Wenn ich eines von meiner Tochter gelernt habe, dann dies: „Wenn alle am Bahnsteig plötzlich zu rennen beginnen, dann muss man mitrennen. Denn das bedeutet, dass der Zug von einem anderen Bahnsteig abfährt.“
Also rannten wir mit. Und das war gut so. Denn der Zug fuhr tatsächlich von Bahnsteig zwölf ab.
Und wir erreichten wider Erwarten den Anschlusszug. Und waren nach sechs Stunden Fahrt wieder zu Hause.
Das war unser „Abenteuer München“.
Und wenn mich jemand fragt, wie die Preisverleihung in München war, dann muss er sich – ehe ich ihm das beantworten kann – erst die wirklich wichtigen Dinge anhören. Vom viel zu hohen Bett, verlorenen Codes, zwei Gläsern Sekt und einem Sprint zu Bahnsteig zwölf.
Und dann erzähle ich ihm von dem Satz, der für mich alles andere überstrahlt hat:
„Das
war meine Geschichte.“


Eveline du bist großartig...herzlichen Glückwunsch....LG.Hannelore
AntwortenLöschenDanke für Deine Geschichte über die Preisverleihung in München. (Ich sehe Dich vor mir) (GR)
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