Montag, 22. Juni 2026

Ein Zettel auf meinem Schreibtisch ...

Mein Schreibtisch ist ein interessanter Ort. Zwischen Manuskripten, vollgekritzelten Notizzetteln, einer halbleeren Kaffeetasse und den üblichen Dingen, die sich auf Schreibtischen ansammeln, tauchen manchmal kleine Schätze auf. Gestern fiel mir ein Zettel in die Hände, den ich offenbar vor einiger Zeit geschrieben und aufbewahrt hatte.

Auf dem Zettel standen einige Worte aus der aramäischen Gebetstradition sowie deren spirituelle Deutungen, die ich mir damals notiert hatte.

Die Deutungen stammen nicht von mir. Dennoch müssen sie damals etwas in mir berührt haben, denn sonst hätte ich sie nicht aufgeschrieben.


MaranathaDie göttliche Präsenz ist bereits hier

AbwunDie Quelle von allem ist in dir

SlamFrieden ist deine grundlegende Natur

Rucha (Ruha) – Der göttliche Atem ist in jedem Atemzug

HayyaDu bist ewiges Leben jenseits der Zeit

MalkutaDas Königreich ist jetzt in dir

SchemDie ursprüngliche Schwingung ist dein wahrer Name


🌟

Ich habe über diese Worte nachgedacht. Was sagen sie mir? Welche Gedanken lösen sie in mir aus? Vielleicht hört jeder etwas anderes in ihnen. Doch für mich erzählen sie immer wieder von derselben Wirklichkeit.

Maranatha Die göttliche Präsenz ist bereits hier.
Es gibt nichts, worauf wir warten müssen. Alles, was ist, ist in diesem Augenblick vollkommen da. Wir müssen nichts suchen, nichts erreichen, nichts beweisen. Wir müssen nur sein. Wir sind göttliche Wesen in einem göttlichen Universum.

AbwunDie Quelle von allem ist in dir.
Abwun ist die Ur-Anrede für Gott und das erste Wort des aramäischen Vaterunsers.
Und diese wunderschöne Deutung dieses Wortes führt uns genau dahin, wo wir sein sollen. Zu uns selbst. Wir müssen nirgendwo hingehen, um das Göttliche zu suchen. Es atmet in uns und in allem, was ist. In jedem Augenblick unseres unendlichen Seins.

Slam Frieden ist deine grundlegende Natur.
Wie schön ist das denn? Vielleicht brauchen wir nur loszulassen, was unsere innere Natur verdeckt. Urteile, Hass, Rachegedanken, alle Alltagsgedanken, die auf Kampf und Konkurrenz ausgerichtet sind, Schuldgefühle, Schuldzuweisungen – und schon liegt unsere Grundnatur frei da. Wir müssen Frieden nicht erarbeiten oder herstellen. Wir brauchen nur loszulassen, was wir darübergebreitet haben.

RuchaDer göttliche Atem ist in jedem Atemzug.
Atem ist Leben. Jeder Atemzug ist ein heiliger Tanz des Lebens mit sich selbst. Feiern wir unseren Atem. Feiern wir jeden einzelnen Atemzug, denn er ist wohl das göttlichste aller Geschenke. Er ist das Leben selbst.

HayyâDu bist ewiges Leben jenseits der Zeit.

Das wird nicht jeder gleich sehen. Der eine bezieht es auf das ewige Wesen, das wir sind. Der andere bezieht auch den Körper in diese Überlegung mit ein. Ich zum Beispiel. Ist es nicht Gottes Versprechen, dass der Tod der letzte Feind ist, den wir besiegen werden? An diesem Punkt überlasse ich euch euren eigenen Gedanken.

Malkuta Das Königreich ist jetzt in dir.
Es gibt keinen Ort in der Zukunft, auf den wir warten müssen. Das Paradies ist nicht erst für die Zeit nach dem Tod geplant. Es schwebt nicht über den Wolken, es ist kein ferner Raum, sondern der gegenwärtige Moment. Die ganze Herrlichkeit des Lebens entfaltet sich genau hier, in diesem Augenblick. In uns. Wenn wir es zulassen.

SchêmDie ursprüngliche Schwingung ist dein wahrer Name.
Im Aramäischen hat das Wort Schêm offenbar mehrere Bedeutungen. Klang, Licht, Name.
Es taucht im Vaterunser in der zweiten Zeile auf: Geheiligt werde dein Name.
Schêm ist jedoch mehr als Klang, Licht und Name. Es ist die energetische Schwingung und das Licht, das von einer Person oder Gott ausgeht.
Dein wahrer Kern liegt hinter deiner Persönlichkeit, deinen Rollen und deinen Gedanken. Dein tiefstes Wesen ist Licht, Klang und die unendliche Weite des Bewusstseins.

🌟

Das sind meine Gedanken zu diesen Worten. Ich finde, sie zeigen uns einen Weg, der einfach ist. Und klar. Sie lehren uns Loslassen und Vertrauen. Wir sind so daran gewöhnt, den Weg der Angst zu gehen, dass wir Vertrauen oft erst lernen müssen.

Mögen uns diese Worte dabei helfen.

 




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