Mittwoch, 13. Oktober 2010

Wieder mal Pablo und Sam...

Sommertag (Lesprobe)


Ich liebe diese heißen Sommertage, wo einem die Sonne fast das Fell verbrennt. Da könnte ich stundenlang auf der Gartenliege vor mich hin braten. Heute ist es so heiß, dass sogar die Fliegen einen Bogen um mich machen, weil sich keine von ihnen die Füße an meinem Fell verbrennen möchte.

Sam liegt im Schatten und schnarcht schauerlich. Und Janosch steht für seine Begriffe sehr unauffällig in einer Ecke des Gartens und buddelt ein riesiges Loch in die Erde. Dass die Zweibeiner das gut finden werden, glaube ich ja nicht. Aber das ist nicht meine Sache. Ich schließe die Augen.

Diese herrliche Ruhe ist jedoch etwas, das bei uns immer nur ganz kurz anhält. „Janosch!!“ Ich schrecke hoch, als der Zweibeiner plötzlich durch den Garten brüllt. „Janosch, lass das!“ Aber Janosch bemerkt nicht, dass der Zweibeiner verärgert ist. Er bemerkt das nie. Er wendet uns sein erdverschmiertes Gesicht zu, und als er den Zweibeiner erblickt stößt er einen Freudenschrei aus und stürmt auf ihn zu, dass seine dreckigen Pfoten nur so durch die Luft wirbeln. Oh nein, er wird doch nicht……. !! Nein!! Um Himmels Willen, NEIN!! Aber Janosch ist nicht zu bremsen. Voller Begeisterung hüpft er am Zweibeiner hoch und hinterlässt schwarzbraune Pfotenabdrücke auf seinem Fell. „Janosch, du Ferkel, sieh dir nur meine Hose an!“ Der Zweibeiner schiebt Janosch weg und versucht die Pfotenabdrücke abzuwischen. Naja, glücklicherweise haben die Zweibeiner andere Felle als unsereins. Sie sind glatt und ohne Haare, und sie können sie einfach wechseln. Am Abend ziehen sie sie aus und am Morgen ziehen sie ein neues an. Und sie haben unglaublich viele davon. In allen möglichen Farben. Manche von ihnen haben sogar ein eigenes Fell, das sie nur zum Schlafen anziehen. Hans hat furchtbar gelacht, als ich ihn einmal gefragt habe, ob seine Zweibeiner auch so viele Felle haben. „Pablo“, japste er, „das sind doch keine Felle, das ist Kleidung!“ Na und? Kenn ich mich mit Kleidung aus? Für mich ist alles, was einer am Körper trägt, ein Fell. So einfach ist das.

Nun, wegen seines schmutzigen Fells beruhigt sich der Zweibeiner rasch. Aber die Löcher im Garten beschäftigen ihn schon noch ein Weilchen. Also hält er Janosch einen längeren Vortrag über das Graben im Garten, und Janosch sitzt mit unschuldig-artigem Gesichtsausdruck da und hört aufmerksam zu. Den Kopf neigt er einmal zur einen und dann zur anderen Seite, um zu zeigen, wie sehr ihn das alles interessiert. Aber ich glaube, in Wahrheit ist es ihm ziemlich egal. Und außerdem wissen wir ja alle, dass Zweibeiner ein ziemlich schlechtes Gedächtnis haben. In Windeseile haben sie alles, was man angestellt hat, wieder vergessen und keiner redet mehr davon.

Ich kenne den Vortrag vom „Nicht-graben-dürfen“ schon, und daher beschließe ich, ein wenig nach draußen zu gehen.

Zwischen den Bäumen sehe ich Hans herumschleichen. „Juhuu“, schreie ich, „bist du auf der Jagd?“ „Ruhig, Pablo! Schrei doch nicht so herum! Stell dir nur vor, ich wäre tatsächlich auf der Jagd gewesen.“ Hans sieht mich missbilligend an. „Die ganze Beute hättest du mir vertrieben mit diesem Geschrei!“ „Ja, aber wenn du gar nicht auf der Jagd bist, ist es doch egal“, stottere ich etwas verwirrt. „Das hast du aber nicht wissen können“, sagt Hans streng. Damit hat er allerdings recht. Das ist logisch. Es ist unglaublich, wie klug Hans ist.

„Bei uns zu Hause läuft gerade ein Vortrag“, erzähle ich. „Janosch hat ein tiefes Loch im Garten gegraben, und nun hört er gerade den Vortrag.“ „, Ach ja, den kenne ich“, winkt Hans gelangweilt ab. „Der geht immer gleich. Nichts Neues.“ Ich nicke zustimmend. Hans guckt mich nachdenklich an. „Ich möchte bloß wissen, ob sie selber eigentlich auch den Vortrag hören müssen, wenn sie mit ihren Schaufeln Löcher in die Erde graben.“ „Das ist etwas ganz anderes, Hans.“ Ich freue mich, dass ich endlich einmal etwas weiß, das Hans nicht weiß. „Sie graben irgendwelche kleinen Körner ein, und da wachsen dann Blumen, Käfer und Esssachen.“

Hans starrt mich ungläubig an. „Blumen, Käfer und Esssachen?? Das mit den Käfern will ich ja noch glauben. Aber Essen kann niemals aus der Erde wachsen.“ Und als ich ihn fest und unbeirrbar ansehe, fügt er noch hinzu: „Das ist eine alte Katzenregel!“ Ich lasse mich jedoch nicht verunsichern. „Katzenfutter wächst natürlich nicht aus der Erde, das wächst in Dosen. Aber Kühe, Zweibeiner und Pferde fressen auch Gras und Blätter!“ Und etwas zögernd – denn da bin ich mir nicht ganz sicher – füge ich noch hinzu: „Und ich glaube Erdbeeren!“ Hans starrt mich eine Weile misstrauisch an. Dann sagt er langsam: „Wenn man Erdbeeren essen könnte, dann wüsste ich das. Ich hätte es längst im Fernsehen gesehen!“ Das ist allerdings richtig. Hans sieht sehr viele Dinge im Fernsehen. Hmm… vielleicht stimmt das mit den Erdbeeren doch nicht. Hans merkt meine Unsicherheit sofort und grinst etwas schief. „Esssachen aus der Erde… Erdbeeren essen…! Alles Kindermärchen! Das nächste Mal erzählst du mir dann womöglich noch, dass die Erde rund ist.“

Wir sehen uns an und lachen. Genaugenommen kugeln wir uns vor Lachen. So einen Unsinn würde ich doch nie erzählen, das wissen wir beide. Die Erde rund! Hinunterrutschen würde man ja!


Wie es weitergeht???


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