Donnerstag, 11. September 2008

Pablo und Sam (Leseprobe)


….Irgendwann kommt Pablo von seinem Abendspaziergang zurück. Es will mir sofort von seinen gefährlichen Abenteuern berichten, aber ich bin nicht in der Stimmung und höre kaum hin. Schließlich merkt er es. „Was ist los mit dir, Sam?“, fragt er, „haben sie dich wieder mal beim Klauen erwischt?“ „Quatsch!“, knurre ich, „ich denke nur gerade über den Sinn meines Lebens nach!“ „So etwas habe ich noch nie gemacht“, gibt Pablo verwundert zur Antwort, „muss man das denn?“ Aber sofort hat er eine Idee. „Da müssen wir Hans fragen, der weiß sicher einen Sinn für dein Leben“, sagt er eifrig. Und damit ist das Thema für ihn beendet und er macht sich auf den Weg zu seiner Futterschüssel.

Ich halte ja nicht viel von diesem Hans. Katzen haben für mich etwas Beunruhigendes. Aber als ich ihm am nächsten Tag begegne, erzähle ich ihm dennoch von meinem Problem.

Hans braucht nicht lang nachzudenken. „Du solltest Berufshund bei der Polizei werden“, schlägt er vor, „da wird dir mit Sicherheit nicht langweilig.“ „Was muss man denn da tun?“ frage ich interessiert. Dass ich auch nicht genau weiß, was eine Polizei ist, das sage ich besser nicht. „Nun, man fängt Einbrecher“, antwortet Hans, „das ist ein schwieriger und verantwortungsvoller Job.“

„Ich glaube gar nicht, dass es Einbrecher wirklich gibt“, seufze ich resigniert, „ich bewache unser Haus schon so lang, und noch niemals ist einer aufgetaucht! Ich weiß doch nicht einmal, wie einer aussieht.“ Hans schweigt ein Weilchen vor sich hin. „Sie sehen furchterregend aus“, sagt er schließlich, „ich weiß das von meinem Urgroßvater. Sie haben schwarze Bärte und riesige Schlapphüte. Meist tragen sie Jacken mit zu kurzen Ärmeln und geflickte Hosen. Über der Schulter schleppen sie einen gewaltig großen Sack, in den sie das geraubte Gold, Silber, Besteck und so weiter hineinstecken. Im Gürtel haben sie ein riesengroßes scharfes Messer stecken. Und ihre Augen funkeln wie Katzenaugen, wenn sie durch die Nacht schleichen!“ Ich schaudere. Das ist ja schrecklich.

„Und bei der Polizei haben sie so viele davon, dass sie Hunde brauchen, um sie alle fangen zu können“, schließt Hans. Ich gucke ungläubig aus dem Fell. Wie soll denn das funktionieren, wo wir nicht einmal einen einzigen für unser Haus haben!

Nachdenklich schleiche ich ins Haus zurück. Bis zum Abend ist mein Entschluss gefasst. „Leute“, sage ich zu meinen Zweibeinern, und ich gebe meiner Stimme einen dramatischen Klang, „leider werden sich unsere Wege nun trennen. Ich gehe zur Polizei!“ „Was ist denn los, Sam?“, antwortet einer von ihnen, „was jammerst du denn so? Musst du etwa raus?“ Oh Gott, sind die heute schwer von Begriff. „Nein“, knurre ich, „ich werde Einbrecherfänger bei der Polizei!“ „Na komm schon, dann gehen wir eben“, seufzt mein begriffsstutziger Zweibeiner und nimmt die Leine. Ich glaube, sie können sich einfach nicht vorstellen, dass ich sie verlasse um ein eigenständiges Leben zu führen, und daher wollen sie mich nicht verstehen. Na, gehen wir eben erst mal spazieren.

Nach dem Spaziergang verziehe ich mich ziemlich bald in meinen Korb. Ich muss ausgeruht sein, wenn ich morgen zur Polizei gehe. Der Job wird nicht einfach werden. Aber ich kann lange nicht einschlafen.

Plötzlich mitten in der Nacht höre ich schwere Schritte. Ich öffne erschrocken die Augen. Vor mir steht ein riesengroßer Mann. Und er sieht genauso aus, wie Hans ihn beschrieben hat....

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